Dollys
Dackelgeschichten
Ein
Hund erzählt aus seinem Leben.
Eberhard
Kamprad
1. Die neue Mama
Die erste Empfindung in
meinem Leben, an die ich mich erinnere, ist der warme Körper meiner Hundemama.
Zum Glück mussten wir uns nur zu dritt die fünf Zitzen meiner Mutter teilen, so
dass genug Milch da war. Sonst hätte es schlecht für mich ausgesehen, denn
meine kräftigen Brüder, richtige Rabauken, hatten mich von den besten
Milchquellen verdrängt: Kein bisschen Rücksichtnahme auf ein zartes Mädchen,
aber ich war bescheiden und brauchte nicht viel. Ab und zu guckte ein
brummiges, zottiges Wesen in unsere Kiste und beschnüffelte uns. Im Laufe der
Zeit bekam ich mit, dass das mein Hundevater war. Er machte keinen freundlichen
Eindruck auf mich und schien sich nicht besonders über unser Dasein zu freuen.
Meine Mutter guckte ihn auch immer misstrauisch von der Seite an und knurrte warnend,
wenn er uns zu nahe kam.
Ich wuchs und wuchs und
wuchs. Bald verließ ich mit meinen Brüdern für kurze Ausflüge unsere Höhle.
Dabei lernte ich große, zweibeinige Gestalten kennen. Sie nannten sich
Menschen. Da meine Mama ihnen vertraute, machte ich es ebenso. Zusätzlich
stillten sie unseren Hunger, als wir anderes wollten, als die Milch unserer
Hundemama. Es war aber gar nicht so einfach. Die Milch trank man und sie
rutschte hinunter. Die neue Nahrung musste man erst erschnüffeln und wenn man
sie gefunden hatte, mühsam aufnehmen und dann
hinunterschlucken. Ich beobachtete meine Mama und versuchte, es ihr
nachzumachen. Nach einer Weile klappte es ganz gut.
Die Ausflüge wurden von
Mal zu Mal immer länger. Unsere Hundemama zeigte uns die neue Welt außerhalb
der Kiste. Auch die Menschen lehrten uns viel Neues, das mit Hunden eigentlich
nichts zu tun hatte, wie zum Beispiel das Geräusch, dass eine Art Hund macht,
den die Menschen hinter sich herziehen. Mit der Schnauze des Dings wedeln sie
hin und her. Das wäre ein herrliches Spielzeug zum Fangen, wenn nur nicht
dieser grässliche Lärm wäre. Meine Hundemama sagte mir, dass die Menschen das
Ding Staubsauger nennen. Was sie damit machen, konnte sie mir aber nicht
erklären.
Ich wohnte inzwischen
mit meiner Mama in einem Zimmer für uns. Dort hatten wir unsere Ruhe vor meinem
Hundevater und meinen Radaubrüdern. Es gab nur einmal etwas Aufregung, als ich
für kurze Zeit herausgeholt und anderen Menschen gezeigt wurde. Die befühlten
mich, guckten mir ins Maul und machten komische Dinge mit mir. Auf einmal
zwickte es ganz doll in mein rechtes Ohr. Aber bevor ich protestieren konnte,
war es schon wieder vorbei. Meine Hundemama sagte mir, dass die Menschen das
Wurfabnahme nennen, doch was es damit auf sich hat, wusste sie ebenfalls nicht.
Eines Tages wurde ich
herausgeholt und zwei Menschen gezeigt; es waren ein großer Mann und eine
kleine Frau. Sie betrachteten mich und verglichen mich mit meiner braunen
Cousine, die ich einmal flüchtig kennengelernt hatte. Auch meine Mutter und
mein Hundevater wurden vorgezeigt. Dieser knurrte mich an, wieso ich immer noch
da sei. Nanu, wo sollte ich denn sonst sein? Die Frau sagte. „Den nehmen
wir!“ Es war aber kaum etwas zu verstehen, da meine Brüder einen Mordspektakel
vollführten und an der Absperrung ihres Zimmers auf und nieder hüpften. Dann
verschwanden alle wieder und ich ging mit meiner Mutter in unser Zimmer zurück,
froh, wieder Ruhe und diese merkwürdige Begebenheit überstanden zu haben.
Plötzlich wurde ich
gepackt und in die Transportkiste gesteckt, die ich schon einmal kennen gelernt
hatte, als es zu einem Mann im weißen Kittel ging, der mich piekste. Ich rief
meiner Mama noch zu: „Bis nachher!“, doch sie drehte sich weg und beachtete
mich nicht weiter. Heute glaube ich, sie wusste, dass das ein Abschied für
immer war.
Die schaukelnde Kiste
mit mir darin wurde in ein rollendes Haus gepackt und los ging es. Ich machte
mich ganz klein und wimmerte vor mich hin. Das war anders als der Kurzbesuch
bei dem weißen Mann. Die beiden fremden Menschen waren mit dabei. Jetzt konnte
ich es nicht mehr aushalten. Ich musste ein Häufchen, wie die Menschen das
nannten, machen. In der nächsten Kurve rutschte ich in eine Ecke und dabei
mitten in das Häufchen hinein. Igittigitt, jetzt war nun noch mein Fell
beschmutzt und eklig klebrig.
Schaukelnd bewegte sich
die Transportkiste. Die Frau, die bisher meine Mama und mich betreut hatte,
nahm mich heraus und gab mich dem großen Mann auf den Arm. Gleich war auch
seine Jacke mit ... vollgeschmiert. „Musst du sie an dich drücken?“, sagte die
Frau. „Halt sie von dir weg!“ Nun baumelte mein Körper in der Luft. Das gefiel
mir noch weniger und ich strampelte heftig. Die Frau kam mit Tüchern und begann
mich zu reinigen. So lernte ich gleich diese für einen Wohnungshund wichtige
Prozedur kennen.
Ich war mit den zwei
fremden Menschen allein. Die Frau nahm mich auf den Arm. „Hallo, Dollymäuschen,
ich bin deine neue Mama.“ Ich protestierte lautstark, einmal bin ich ein Hund
und keine Maus und dann habe ich ja meine Hundemama und brauche keine neue.
Aber da diese nicht da war und ich Angst hatte, schmiegte ich mich doch an die
Frau. Wenigstens war sie warm und so unangenehm roch sie gar nicht.
Vorsichtig erkundete
ich zunächst die neue Umgebung. In einem kleinen Raum fand ich ein Körbchen,
das zu meiner Körpergröße passte. Dahinein hatte der Mann noch das mitgebrachte
Deckchen und das Spielzeug gelegt, das noch ein bisschen nach meiner Mutter
roch. Ich vermisste den Lärm meiner Brüder und den warmen Körper meiner Hundemama.
Da war es vielleicht am besten, erst einmal ein wenig zu schlafen. Ich
kletterte in das Körbchen, legte meine Nase auf das Stückchen Heimatdecke und
schlief ein.
© by Eberhard Kamprad, 2001,
überarbeitet Mai 2005
Veröffentlicht in: Zeitschrift
"Kurzgeschichten", Ausgabe 6/2005, S. 51, ISSN 1613-432X
2. Der erste Tag
Hallo, ich hatte
also meine Menschen kennengelernt und war in meiner neuen Heimat eingeschlafen.
Von meinem Tiervorgänger, einem Kater, hatte ich einen Korb geerbt und so war
es ganz gemütlich. Als ich erwachte, merkte ich sofort, bevor ich die Augen
geöffnet hatte, dass etwas anders war als sonst. Ich war allein und es roch
anders. Ein wenig vertrauter Duft war noch da, aber wirklich nur ein wenig.
Richtig, ich war ja gar nicht mehr bei meiner Hundemama. Was mochte mich
erwarten, wenn ich die Augen öffnete. Nun ja, ändern konnte ich doch nichts
mehr. Also: Augen auf!
Um eines
meiner Hinterpfoten hatte sich der Lappen gewickelt, den mir meine vorigen
Menschen mitgegeben hatten und der den vertrauten Geruch ausströmte. Das war
aber auch alles, was ich von meiner alten Heimat hatte. Die kleine Frau, also
meine neue Mama, beugte sich über mich und streichelte mich. Sofort wurde mir
etwas wohler. Ich kletterte aus meinem Korb und tappte hinter ihr her. Der
große Mann (mein neues Herrchen) lag noch in seiner Schlafkiste und die Frau
kroch ebenfalls in eine solche. Und was wurde aus mir? Hilf Dir selbst! Ich
gehörte ja schließlich zum Rudel. So spannte ich meine Hinterpfoten an, holte
durch Auf- und Niederwippen Schwung und sprang mit einem Satz in die
Rudelschlafkiste. Später bekam ich mit, dass die Menschen das Ding Bett
nannten. Nun war das ganze Rudel beisammen, warum nicht gleich so? Das war
natürlich viel angenehmer als wie ein vom Rudel Verstoßener in einem Korb zu
liegen. Ich kroch zu meinem Frauchen unter die Bettdecke und kuschelte mich an
sie. Dort war es schön warm und roch auch angenehm.
Doch die Ruhe währte nicht lange. Mein neues Herrchen,
offensichtlich der Rudelführer, rappelte sich auf und meinte, dass er mit mir
Gassi gehen müsste. Was war denn das nun wieder? Mein Frauchen entgegnete, dass
in den Büchern stünde, dass ich vorsichtig an das Halsband gewöhnt werden
müsse. Schon wieder etwas Neues! Mein Herrchen setzte mich auf die Erde und kam
mit einem komischen Ding, dass er an meinem Hals festmachen wollte. Ewig
fummelte er an mir herum. Ich versuchte stillzusitzen und den Rudelführer nicht
zu verärgern, aber das Ganze war ziemlich lästig, wenn man auch nicht sagen
konnte, es sei nicht auszuhalten. Endlich war alles fertig. Ich dachte, ich hab
es geschafft und wollte davon springen, aber wieder war es nichts damit. An das
Ding um meinen Hals, hakte er noch etwas anderes, dessen Ende er in der Hand
hielt. Nun waren wir beide verbunden. Eigentlich nicht so schlecht, wie ich
anfangs dachte. Ich gehörte offensichtlich als etwas Besonderes zum Rudelführer
und fühlte mich gleich doppelt so stark, als ich in Wirklichkeit war.
Aber jetzt
kam der Haken der ganzen Sache. Mein Herrchen sagte zu mir „Komm!“, zog an der
Leine und mir blieb gar nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Nur kurz
versuchte ich, mich steif zu machen, aber da schnitt sich das Halsband
schmerzhaft ein. Wir kamen vor das Haus, das nun meine neue Heimat geworden
war, aber der Empfang war gar nicht freundlich. Es war kalt und mit
Schneeflocken vermischter Regen fiel vom Himmel. Nein, ich wollte nicht mehr.
So fest ich konnte stemmte ich meine Pfoten gegen den Boden. Dazu sollte ich
noch über ganz komischen Untergrund gehen; mit lauter Löchern. Später wusste
ich, dass das eine Rampe mit Gitterrosten war, um wegen meinem empfindlichen
Rücken das Treppensteigen zu vermeiden. Nebenbei konnten die Menschen ihre
Kinderwagen oder Einkaufsroller hoch schieben. Doch zurück zu meinem ersten
Ausgang. Schließlich trug mich mein Herrchen ein Stück und setzte mich dann ab.
Ich merkte, dass er ebenfalls ganz aufgeregt war, mindestens ebenso wie ich. So
hatten wir wenigstens eine verbindende Gemeinsamkeit. Ich klemmte meinen
Schwanz zwischen die Hinterpfoten. Mein Herrchen hatte eine gekrümmte Haltung
eingenommen und versuchte, beruhigend auf mich einzureden. Ich sei schließlich
sein erster Hund ...
So kamen
wir mühsam 50 Meter voran. Ich begriff nun, dass ich mich LÖSEN sollte, wie die
Menschen das in ihrer umständlichen Art nannten und machte ein kleines
Pfützchen. Endlich ging es wieder nach Hause. Dort erwartete mich meine Mama
mit mehreren Tüchern unterschiedlicher Art, die sie nach einem nur ihr
verständlichen System an meinem Körper zur Anwendung brachte. Das war mir
äußerst lästig, aber ich hatte schon gelernt, dass man den Menschen im
Allgemeinen ihren Willen lassen muss, um ein einigermaßen ruhiges Hundeleben zu
führen. Dann bekam ich endlich etwas zu fressen. Nach den Aufregungen rollte
ich mich erst einmal in meinem Korb zusammen und schlief ein wenig. Als ich aufwachte,
ging das Ganze wieder von vorn los, nur dass mich jetzt mein Herrchen
abtrocknete. Der nahm wenigstens nur ein beliebiges Tuch und wischte einmal
flüchtig über meinen Körper. Bei solchem HUNDEwetter (Was haben wir eigentlich
mit schlechtem Wetter zu tun?) schaufeln wir uns ja mit unseren kurzen
Vorderpfoten den Dreck direkt an den Bauch. Zeit meines Lebens behielt ich
durch diese ersten Tage in meinem neuen Zuhause mit matschigem Schneeregen,
einen Widerwillen gegen schlechtes Wetter und das Ausführen überhaupt.
Einmal
hatten meine Menschen zu lange gewartet und ich hatte ein Pfützchen auf den
Teppich gemacht. Zum Glück schimpfte Mama nicht mit mir, sondern mit meinem
Herrchen, warum er das nicht vorausgeahnt hätte und früher mit mir
hinausgegangen wäre. Ach, ist das Leben kompliziert! Aber ansonsten war mein
Herrchen sehr streng mit mir. Ich hatte gleich erkannt, dass er der Rudelführer
war. Da konnte ich eher einmal bei Mama mein Glück versuchen, mit meinem
unschuldsvollen Dackelblick etwas durchzusetzen. So ging mit Fressen, Schlafen
und Ausführen der erste Tag in meinem neuen Zuhause herum. Als das Rudel
schlafen ging, nahm ich gleich meinen eroberten Platz in der großen Schlafkiste
ein. Noch nass, vom letzten Ausführen wärmte ich mich erst einmal beim Herrchen
auf und wechselte dann im Laufe der Nacht zu Mama unter die Decke. So hatte
jeder etwas von mir.
3. Wie meine Menschen auf
den Hund kamen
Aus den
Gesprächen meiner Menschen bekam ich Folgendes mit: Dreizehn Jahre lebten sie
mit einem Kater zusammen und teilten Freude und Leid mit ihm; zuletzt mehr Leid
als Freude, bevor sie ihn einschläfern lassen mussten.
Als ihn die
Tochter an einem kalten ungemütlichen Wintertag, mitbrachte, war er ein
kleines, halb verhungertes Bündel Fell mit zwei wachen Augen in einem großen
Kopf. Die Tochter war damals ein Teenager und es hatte eine der in diesem
Lebensalter häufigen Auseinandersetzungen mit den Eltern gegeben. Sie war
wütend weggerannt und kam nach einer Weile mit dem Kater wieder, der sich an
sie schmiegte. Wie sich herausstellte, „wohnte“ er unter der Eingangstreppe.
Sie hatte ihn eine ganze Weile mit dem Leberkäse, den sie nicht mochte,
gefüttert. Nun waren die Menschen erst einmal froh, dass sie wieder da war, so
dass sie wegen der eingeschleppten Katze keinen neuen Streit vom Zaun brechen
wollten.
Die Gefühle
meines Herrchens waren zwiespältig. Als Kind wollte er gern ein Tier, aber
seine Mutter hatte einen Abscheu vor Haustieren und ordnete sie in die
Kategorie unnützes und schmutzbringendes Ungeziefer ein. Ihre Abneigung ging so
weit, dass sie Menschen, die ein Tier besaßen, sofort ablehnte. Bis zu diesem
Zeitpunkt war es ihm noch nicht gelungen, sich völlig von diesem Einfluss zu
lösen. So stritten in ihm die Erfüllung des Kinderwunsches und die vermittelte
Antipathie miteinander, als seine Tochter mit dem Kätzchen vor ihm stand. Wie
so oft im Leben, ging es durch einen Kompromiss weiter: Eine Nacht darf es erst
einmal dableiben und sich aufwärmen.
Aus der
einen Nacht wurden dreizehn schöne Jahre. Die Tochter hatte von
Schulfreundinnen von einem Katzenfutter „Wiska“ (Whiskas) gehört und da es ein
Junge war, sollte er Wisko heißen. Als die Tochter auszog, um ihre eigene
Familie zu gründen, ließ sie den mittlerweile stattlichen Riesenkater da und
mein Frauchen hatte weiter etwas zu bemuttern. Der Kater hatte von der ganzen Wohnung
Besitz ergriffen, die überall katzengerecht mit Kletter- und Kratzmöglichkeiten
eingerichtet war. Nichts war vor ihm sicher, außer man schloss es weg, da er
auf jeden Schrank hinaufkam. Die letzten Jahre plagte er sich im Winter mit
Fellproblemen; teilweise sah er wie ein Punker aus, wenn er nur noch auf dem
Rücken einen „Kamm“ hatte. Doch mit Hormonspritzen erholte er sich immer
wieder, bis es einmal doch zu Ende ging. Er wurde unsauber und meine Menschen
suchten verzweifelt nach der Ursache, denn Unsauberkeit eines ansonsten
stubenreinen Tieres ist immer ein Signal. Auch der Tierarzt wusste keinen Rat.
Der Kater wurde in ganz kurzer Zeit träge und lustlos, lag nur herum und
Herrchen versuchte, ihn zu überreden, sich in sein Katzenklo zu entleeren. Hinterher
ist meinen Menschen klar geworden: Er fühlte sich schlecht und protestierte,
dass sie ihn nicht unterstützten, denn in seinem Katzenleben halfen sie ihm ja
immer göttergleich bei allen Problemen. Dass es gegen den Tod keine Hilfe gibt,
wusste er zum Glück nicht.
Als sie ihn
wieder zum Tierarzt brachten, war die Diagnose klar: Nierenversagen. Das zeigte
der urämische Geruch. Der Körper versuchte verzweifelt, die Giftstoffe, die die
Nieren nicht mehr herausfilterten, über die Haut auszuscheiden. Sie entschieden
sich gleich, ihn nicht länger leiden zu lassen. Als er die Betäubungsspritze
bekommen hatte, kroch er noch einmal zu meinen Menschen und stupste jeden kurz
mit der Nase an. Dann schlief er ein und sie gingen. Der Tierarzt gab ihm dann
die zweite Spritze, die zum Herzstillstand führte. Den Körper ließen sie da. Er
symbolisierte für sie nicht das Lebewesen, mit dem sie dreizehn Jahre ihres
Lebens geteilt hatten. Dann schon eher die Fotos, bei deren Ansehen man dann
oft sagt: „Weißt du noch, als ---„ Meine Menschen hätten gleich wieder einen
übriggebliebenen Kater mitnehmen können, der beim Tierarzt nach einer
Behandlung nicht abgeholt worden war, doch sie wollten erst einmal Abstand
gewinnen.
Nach und
nach entwickelte sich bei ihnen der Gedanke, es doch einmal mit einem Hund zu
versuchen, denn ein Tier wollten sie wieder. Zu ungemütlich war die Wohnung,
wenn niemand herum raschelte und mit atmete. Eine Katze fesselt einen aber an
die Wohnung. Man strebt möglichst schnell wieder nach Hause, um sie nicht so
lange allein zu lassen. Nun sind sie sowieso sehr häuslich und reisen nicht.
Ein Hund dagegen muss mehrmals täglich ausgeführt werden und die Spaziergänge
tun ebenfalls den Menschen gut. Nur wegen der zeitlichen Organisation
verschoben sie es auf ihre Rentnerzeit. Doch wie es ist, wenn die Menschen
planen: Das Schicksal richtet sich nicht danach, weder im Guten noch im Bösen -
und die Rentnerzeit kam durch eine chronische Krankheit von Herrchen schneller
als gedacht. Als er nun auf einmal den ganzen Tag zu Hause war, galt es dem
Tagesablauf - und damit dem ganzen Leben - wieder Struktur und Sinn zu geben.
Nun war es soweit: Ein Hund sollte her!
Das war
leichter gesagt, als getan. Wie kommt man zu einem Hund? An einschlägiger
Literatur ist kein Mangel, aber die Entscheidung muss man schließlich selbst
treffen. Der Mietwohnung entsprechend sollte er nicht zu groß sein und vor
allem pflegeleicht; also nicht langhaarig. Da die Tochter als Kind einen Beagle
regelmäßig ausführte, kamen sie auf diesen lustigen, bunten Gesellen. Die Hürde
der Einwilligung des Vermieters bewältigten sie unkompliziert, solange es kein
Kampfhund sei. Im Genehmigungsschreiben wurde ihnen sogar „viel Erfolg bei der
richtigen Auswahl Ihres künftigen Hausgenossen“ und viel Spaß gewünscht.
Nun
brauchten sie nur noch einen Züchter in der Nähe, da sie ohne Auto waren. Über
die Welpenvermittlung des Beagle-Klubs fanden sie eine Züchterin, meldeten sich
an und fuhren mit dem Zug hin, um sich die Tiere anzusehen. Leider entsprach der
Empfang nicht den Vorstellungen. Die Züchterin hatte die Verabredung vergessen,
betonte ständig dass sie keine Zeit habe und das Vorführen der Tiere bestand
darin, dass sie auf den Hof wies, wo sich zirka zehn Hunde tummelten und sagte:
„Das sind die Hunde.“ Das konnten sich meine Menschen natürlich auch so denken;
sie waren aber auf detaillierte Erklärungen eingestellt. Durch die
Gesprächssituation zwischen Tür und Angel kam aber überhaupt keine Atmosphäre
auf: Nur die Mitteilung über den Preis, wobei sie 1700 Mark doch etwas
schockierten und das es im Frühjahr wieder Welpen gäbe. Am meisten schreckte
Frauchen und Herrchen jedoch ein angekündigtes Kontrollrecht zum Aufenthalt des
Tieres ab. Der Hund sollte ihnen gehören und die Vorstellung, dass immer wieder
jemand unverhofft vor der Tür stünde und den Zustand des Hundes kontrollieren
wolle, stieß sie ab. Ihr Gedanke war, dass man bei einem guten Verhältnis zum
Züchter, diesen sowieso ab und zu über das Wohlergehen des Tieres informiert
und ihm ein paar Fotos schickt, aber an ein gutes zukünftiges Verhältnis
glaubten sie nicht mehr. Nach kurzer Zeit wurden sie verabschiedet und mussten
nun noch zwei Stunden auf dem Bahnhof des kleinen Ortes verbringen, ehe sie
zurückfahren konnten. Dabei war ihnen klar, dass das Vorhaben Beagle
gescheitert war.
Aber wie
nun weiter. Hundeliteratur hatten sie nun nach einem halben Jahr Vorbereitung
auf die Anschaffung des neuen Hausgenossen genug gelesen und wollten in die
Praxis gehen. Eine Hundeecke war in der Küche eingerichtet. Nun sagte Herrchen,
dass er bei einer Körpergröße von 1,95 m keinen Dackel wolle, da das zu komisch
aussähe. Aber irgendwie kamen meine Menschen über diese Gedankenverbindung auf
den Rauhaardackel, kleiner als ein Beagle, aber für Frauchen von 50 kg
Körpergewicht auch besser handhabbar und man kann ihn sich auch einmal unter
den Arm klemmen. So richteten sie nun ihr Interesse auf einen Rauhaardackel.
So gab
Herrchen im Januar 2000 folgende Anzeige auf: Beagle oder Rauhaardackel, bis 1
J., aus Raum ***, von älterem Ehepaar zu kaufen ges. Tel. ***
Als erstes
meldete sich eine Frau, die nicht richtig lesen konnte und einen Hund kaufen
wollte, dann wollte sie ein Mann zu einem Cocker Spaniel überreden. Herrchen
las inzwischen in der Zeitung den „Tiermarkt“ und da stand es: Sehr schöne
Rauhaardackelwelpen m. Pap. gei., entw. Tel. ***
Er stürzte
gleich ans Telefon und vereinbarte mit der Züchterin einen Termin für kommenden
Samstag. Nach zehn Minuten rief er noch einmal an, ob man den Welpen gleich
mitnehmen könne, wenn man sich einig werde? Ja, sie sind schon fünfzehn Wochen
alt und können also von der Mutter weg. Nach weiteren zehn Minuten klingelte
das Telefon. Eine Frau bot Rauhaardackelwelpen an, die Stimme kam Herrchen
bekannt vor. „Haben wir nicht vor zehn Minuten zusammen gesprochen und den
Termin für Samstag vereinbart?“ Ja, es war die gleiche Züchterin. Sie hatte nun
die Anzeige gelesen und sie hatten sich sozusagen über Kreuz angerufen. Die
Züchterin wollte nur noch das Alter des „älteren Ehepaares“ wissen und war über
die Auskunft 55/50 beruhigt. Sie hatte bei der Formulierung mit 75/70 gerechnet
und hätte dann keinen Welpen verkauft.
Am Samstag
fuhren sie dann beizeiten los; mit der Straßenbahn. Vorher kauften sie noch
Welpenfutter und nahmen einen Tragekorb
mit Decke und Halsband mit. Als sie ankamen, kehrte die Züchterin gerade vor
ihrem Laden die Straße. Sie kamen schnell ins Gespräch und waren sich sofort
sympathisch. Drinnen bekamen sie dann erst einmal einen Kaffee angeboten und
Frauchen und Herrchen berichteten über ihre Vorstellungen und Gründe des
Hundekaufs. Dann ging es zu den Hunden. Das ganze kleine Haus schien voller
Dackel zu stecken. Zwei auf den Hof ausgesperrte protestierten lautstark und
verlangten eingelassen zu werden, um zu erfahren, was es Interessantes gäbe.
Sie bekamen
zuerst eine kleine braune Hündin gezeigt, die wegen einem Zahnfehler billiger
war, aber der Funke sprang nicht über und so holte die Züchterin dann ihr
Prachtstück hervor: mich, Dolly von der Parthenaue. Sie wussten sofort: Die ist
es.
© by Eberhard Kamprad,
2001, überarb. Okt. 2008
4. Der Spaßball
5. Die Zuchtschau
Heute geht
es um meine Erlebnisse auf der Zuchtschau der Dackelgruppe. Für meine Menschen bin
ich natürlich sowieso der schönste Dackel, aber die anderen Vereinsmitglieder
und die Züchterin, überredeten sie, sich das amtlich bestätigen zu lassen: eben
durch die Vorstellung auf der Zuchtschau. Mein Herrchen hatte sich vorher
darüber informiert, was ich alles können sollte und mit mir „Im-Kreis-laufen“
und „Maul auf!“ geübt. Das Maul musste ich auf Kommando aufmachen, weil der
Richter die Zähne kontrollieren will. Wer den Richter beißt, wird
disqualifiziert; so steht es in der Prüfungsordnung. Da mein Frauchen mir
wöchentlich die Zähne putzt, war mir das sowieso nicht neu. Das Im-Kreis-Laufen
bereitete mir keine Probleme; aber ich brauchte es gar nicht, wie wir später
sehen werden.
Als der
Sonntag der Zuchtschau endlich herangekommen war, waren meine Menschen
mindestens ebenso aufgeregt wie ich. Die Züchterin hatte ihnen angeboten, uns
mit dem Auto abzuholen, um mir die Straßenbahnfahrt zu ersparen. Das war keine
so gute Idee für meine Nerven. Im Auto saß nämlich auch meine Cousine, die
ebenfalls vorgestellt werden sollte, und darüber regte ich mich wahnsinnig auf.
Mein Herrchen konnte mich kaum halten, weil ich ständig auf meine vor mir
sitzende Züchterin klettern wollte.
Wir kamen
an und mussten uns zuerst anmelden. 25 Dackel waren registriert. Ich war im
Programm als die Nummer 8 genannt und ich war richtig stolz, dass ich dort mit
all meinen Daten stand. Auch mein Herrchen freute sich, als er seinen Namen als
Besitzer las.
Am Eingang
wies ein Schild nach rechts: Zum Löseplatz. Mein Herrchen führte mich hin und
erklärte mir den Sinn des abgesteckten Bereiches. „Wuzzi und Pfützi machen!“
Dass die Menschen immer alles so kompliziert machen müssen. Warum sagt man
nicht einfach „Hundeklo“? Ich schnupperte, schnupperte und schnupperte. Potz
Blitz und Wackeldackel! Das war gar nicht der richtige Platz. Das merkte man
doch auf dem ersten Riecher. Aber hier, ein Stück neben der Absperrung, war es
genau richtig. Ich hockte mich hin. „Haben Sie keine Augen im Kopf!“, brüllte
ein Mann mit einer Armbinde mein Herrchen an. „Der Löseplatz in innerhalb der
Absperrung!“ „Wau! Wuff!“, versuchte ich dem Mann die Situation zu erklären.
Doch er verstand mich nicht. Meinem Herrchen kam eine Idee. Mit einem eleganten
Beinschwung beförderte er meinen Hinterlassenschaften in den abgesteckten
Bereich. Nun war die Menschenwelt wieder in Ordnung.
Dann ging
es los. Der erste Dackel wurde aufgerufen. Zuerst wurde er auf einen Tisch
gesetzt und der Richter und seine Assistentin guckten ihm ins Maul und zählten
die Zähne. Dann wurde das Fell befühlt und anschließend musste er mit seinem
Frauchen im Kreis laufen, wobei der Richter den Gang beobachtete und der
Assistentin, einer Richteranwärterin, Erläuterungen gab. Am Ende erklärte er
laut die Vorzüge und Mängel des vorgestellten Hundes und gab die Bewertung
bekannt: SEHR GUT! Mein Herrchen hatte mir erklärt, dass nur ein VORZÜGLICH
oder höchstens SEHR GUT ein Grund zur Freude sei, GUT ist lediglich eine
Genehmigung zur Zucht und BEFRIEDIGEND fast schon eine Diskriminierung. Das
gilt aber nur für Teckel mit Ahnentafel. Ein „Straßen“-Dackel muss mindestens
ein SEHR GUT bekommen, um als Teckel anerkannt zu werden. Womit sich die
Menschen nur das Leben schwer machen, statt sich mit uns zu freuen, dass ein
schöner Tag ist und die Sonne scheint.
Am Rande
des abgesteckten Kreises wechselten inzwischen freudige und enttäuschte
Gesichter der Hundebesitzer einander ab, je nach dem Ergebnis der Bewertung.
Manche Dackel hatten zu dünnes Fell, andere „standen zu gut im Futter“, wieder
andere hatten einen unvorschriftsmäßigen Gang oder wackelten auf falsche Art
mit dem Hinterteil.
Endlich war
ich an der Reihe. Mein Herrchen hob mich auf den Tisch und sagte: „Maul auf!“
Ich öffnete gehorsam den Fang, während mich mein Herrchen beruhigend
streichelte. Der Richter fing an, die Zähne zu zählen, stutzte, fing von vorn
an, rief die Assistentin herbei und in diesem Moment wusste ich, dass etwas
schiefging. Mein Herrchen wurde gefragt, ob er einmal die Zähne nachgezählt
hätte, was er verneinte. Dann suchte der Richter in seinen mitgebrachten Akten,
rief noch andere Experten herbei, um ihnen die Sensation mitzuteilen, dass zum
ersten Mal in seiner Richterlaufbahn die Zähne P 3 oben, rechts und links
fehlten.
Potz Blitz
und Wackeldackel! Ich hatte zwar nichts dagegen, eine Sensation zu sein, doch
nicht auf diese Art. Dann musste ich noch laufen, aber ich tat es ohne rechtes
Interesse, weil ich fühlte, dass es darauf nun auch nicht mehr ankam. Dann
verkündete der Richter das Ergebnis: Mangelhaft! Zur Zucht untauglich – ein
guter Gebrauchshund. Gut, meine Menschen wollten mit mir sowieso nicht züchten,
aber die Enttäuschung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Mein Herrchen ging
ganz geknickt vom Platz und mein Frauchen konnte die Tränen kaum zurückhalten.
Da halfen auch die trostreichen Worte von Bekannten nicht. Dann begann unter
den Unbeteiligten noch eine Diskussion, wer das vorher hätte merken müssen. Die
Einen meinten, die Züchterin, die Anderen der Tierarzt. Meine Menschen hatten
an diesen Diskussionen kein Interesse und mussten den Schock erst einmal
verdauen. Alle hatten ihnen Hoffnung auf eine gute Bewertung gemacht und mich
als wunderschönes Exemplar bezeichnet, was auf mein Aussehen natürlich
zutrifft. Auf ein eventuelles Problem mit den Zähnen hatte uns niemand
hingewiesen.
Mein
Herrchen ging mit mir erst einmal eine Runde in den Wald spazieren. Dann waren
wir alle soweit, dass wir wieder den irdischen Genüssen zusprechen konnten: ich
einer Bratwurst und meine Menschen stärkten sich mit einem Schluck „Jägermeister“
Später
musste noch meine Ahnentafel an das Zuchtbuchamt eingeschickt werden, um meine
Zuchtuntauglichkeit einzutragen. Dabei ist die Bewertung von „Mangelhaft“ in
„Disqualifiziert wegen Zahnfehler“ geändert worden, was ich gerechter finde.
Sonst klingt es so, als ob ich ein Krüppel wäre und ich bin doch ein schöner
Dackel; für meine Menschen sogar das allerschönste Dackelmädchen, das es auf
der Welt gibt.
© by Eberhard Kamprad,
2001, überarb. Nov. 2008
6. Das GEEIGNETE
BEHÄLTNIS
Hallo
Dackelfreunde, am liebsten laufe ich ja auf meinen eigenen vier Pfoten, aber ab
und zu sind die schönen Schnüffelgegenden, in die mich meine Menschen führen,
nur mit Bus oder Bahn zu erreichen. Das ist nun gar nicht so einfach, wie man
als Hund denkt. Prinzipiell muss für einen Hund oder ein anderes Tier (ein
Pferd?) ein Fahrausweis „Für Kinder“ gelöst werden, und dabei handelt es sich nicht
nur um ein paar Groschen. „Ausgenommen von der Beförderungsentgeltpflicht (Was
für ein herrliches Behördenwort! Da wedelt mein Schwänzchen vor Begeisterung.)
sind kleine Tiere und kleine Hunde (Ein Hund ist also kein Tier?!), die in
geeigneten Behältnissen untergebracht sind und im Verkehrsmittel keinen eigenen
Platz in Anspruch nehmen.“
Gut.
Damit wäre erst einmal klar, dass der fette, große Kater von nebenan, der in
seiner Transportbox hockt, wie ein Götze, überhaupt nicht bezahlen muss. Aber
so eine Transportart ist ja hundeunwürdig. Wir brauchen schließlich den Kontakt
zu unserem Rudelführer. Am liebsten sitze ich bei Herrchen auf dem Schoß und
damit fangen die Probleme, die sich die Menschen gegenseitig bereiten, erst
richtig an. Ich nehme keinen „eigenen Platz“ in Anspruch a b e r bin nicht in
einem „geeignetem Behältnis“. Potz Blitz und Wackeldackel!
So hat
sich mein Vater bei den Verkehrsbetrieben erkundigt, ob unbedingt beide
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um nicht zu bezahlen; wie es ist, wenn man
den Hund ohne Behältnis auf dem Schoß hat. Nach wochenlangen Beratungen konnten
sich die Tarifexperten nicht einigen und ein Kundenberater sagte uns dann zu,
dass man bei „Hund auf Schoß ohne Behältnis“ eigentlich nicht bezahlen muss. Da
meine Eltern nun aber die hochkomplizierte Problematik nicht mit jedem
Kontrolleur von Neuem diskutieren wollen, haben sie sich entschieden, mich in
eine Tasche zu stecken und diese als „geeignetes Behältnis“ zu deklarieren.
Zum
Glück bin ich mit sechs Kilogramm ein Leichtgewicht, so dass mich mein Vater
noch bequem tragen kann. Auch können mich meine Eltern schnell einmal unter den
Arm klemmen, wenn es nötig ist oder in der Tasche sogar längere Strecken
tragen. Es gibt allerdings in unserer Rasse Schwergewichte bis zu zwölf
Kilogramm. Abgesehen von denen, deren Gewicht aus der Größe resultiert, können
einem die meisten leidtun. So sehe ich häufig zwei Dackel, die so dick sind,
dass die Bäuche fast auf der Erde schleifen. Dazu müssen die armen Kerle auch
noch Treppen steigen, weil ihre Menschen sie nicht mehr tragen können. Da haben
diese ein gewichtiges Problem, aber eins, dass sie selbst geschaffen haben. So
etwas müsste bestraft werden, meine ich. Wir Hunde können nichts dafür. Wir
fressen nun einmal, was in uns hineingeht; in Erwartung „schlechter Zeiten“.
Aber die Menschen sollen ja angeblich Verstand besitzen, den sie uns
absprechen. Das Ergebnis: siehe oben.
Ich
halte eigentlich meine Figur. Wenn mich in der Woche mein Vater betreut, muss ich
mich sowieso auf etwas Fasten einstellen; meine Mama ist da großzügiger.
Manchmal streiten sich meine Eltern und werfen sich gegenseitig vor, mich
vollzustopfen. Einmal hatte ich schon einen kleinen Ring um den Bauch, den
musste ich dann wieder abtrainieren.
Zuerst
wollten meine Menschen das Geld für eine spezielle Hundetasche sparen und
stopften mich in eine alte Reisetasche. Aber das gefiel mir gar nicht und so
machte ich kurzerhand einer großen Schlatz hinein und sie damit unbrauchbar.
War sowieso ein altes Ding aus der Jugendzeit meines Vaters und mir nicht
angemessen. Man muss sich seine Menschen nur erziehen.
So
entschlossen sich meine Menschen nun doch, mir eine Hundetasche zu kaufen. Die
ist außen aus abwaschbarem Material, innen mit schönem weichen (Kunst)-Fell,
damit man es recht bequem hat. Wo der Kopf herausgucken soll, ist der Rand
etwas niedriger. Das ist aber Geschmackssache. Ein Artgenosse aus unserer
Dackelgruppe besteht darauf, immer verkehrt herum in seiner Tasche zu sitzen.
Na ja, wenn es ihm Spaß macht. Zum Tragen muss die Tasche zwei kurze Henkel
haben und zum Umhängen der leeren Tasche einen Schulterriemen, damit sie die
Menschen bequem auf dem Rücken tragen können, wenn wir uns auf unseren vier
Pfoten fortbewegen. Über dem Hunderücken kann die Tasche mit Klett- oder
Reißverschluss geschlossen werden. Klett ist besser, wenn wir in der Tasche
herum hampeln und nicht vorschriftsmäßig sitzen wollen.
Bei
schlechtem Wetter, ist die Tasche auch insofern nützlich, dass ich mich dann
z.B. zum Tierarzt tragen lassen kann, damit ich nicht ganz verdreckt dort
ankomme. Wir Dackel haben nun einmal das Problem unserer großen Bodennähe und
schaufeln uns mit unseren Vorderpfoten den Schlamm direkt an den Bauch.
Wenn
man wo zu Besuch ist, lässt sich der Rand der Tasche umschlagen und man hat ein
gemütliches Nest, was nach zu Hause riecht. Zum Abtreten der Pfoten kommt ein
wuscheliges Handtuch hinein und wenn es geregnet hat, muss einer uns an der
Brust hochheben und der andere wischt Bauch und Pfoten mit
Wegwerf-Küchentüchern ab. Mein Vater, als großer Hundeexperte, für den er sich
hält, kann das aber auch allein.
Übrigens
– für die warmen Tage, wenn es mir in der Tasche unbehaglich wird, habe ich ein
sogenanntes Tragerl, eine in einer Stoffhülle mit Henkeln steckende
Schaumgummiplatte, die mir unter dem Bauch durchgezogen wird. Beim Tragen
hängen unten die Pfoten heraus und wenn ich meinen Unwillen ausdrücken will,
rudere ich mit ihnen in der Luft herum. Dann wollen sich die Menschen immer vor
Lachen ausschütten. Im Verkehrsmittel deklarieren meine Eltern das Tragerl als
„geeignetes Behältnis“. Das Gegenteil soll erst einmal einer beweisen.
© by Eberhard Kamprad,
2001 überarb. Nov. 2008.
7. Am
Hundestrand
Hallo,
heute will ich euch meine Erlebnisse am Hundestrand erzählen. Wir kamen an.
Übergenau, wie mein Vater ist, suchte er nach Informationen und fand einen
Hinweis, dass Hunde, Nackte und Angezogene sich an die ihnen zugewiesenen
Strandteile zu halten haben. Da Nackte und Angezogene durcheinander lagen, war
schon diese Unterscheidung schwierig, aber für mich nicht weiter von Interesse.
Menschen sind so oder so verhältnismäßig uninteressant, wenn sie nicht gerade
zum eigenen Rudel gehören und einen mit Fressen versorgen. Wo war nun aber der
Hundestrand? Von ehemaligen Schildern waren nur noch die leeren Pfähle da und
so sagten sich meine Eltern, wo die meisten Hunde zu sehen sind, wird der
Hundestrand sein und wir fanden einen Strand voller Hunde.
Na,
endlich hatten sich meine Eltern auf einer Bank nahe am Wasser eingerichtet,
machten mich von der Leine ab und ich konnte mich umsehen. Am Strand lagen
Nackte, Hunde und Angezogene durcheinander, oft zusammen auf einer Decke. Neben
uns schliefen zwei nackte Männer mit einem Rottweiler. Ich ging mal hin und
schnupperte (bei dem Hund natürlich), aber wurde kaum beachtet. Dann versuchte
ich es mit dem Wasser, das war interessanter. Ich war noch nie im Wasser
gewesen und war erst erschrocken, als ich die Wellen an meinem Bauch spürte.
Aber dann merkte ich, wie angenehm das bei der Hitze sein konnte und tappe
weiter, versuchte aber, nicht den Boden unter den Pfoten zu verlieren. Nun warf
mein Vater meinen Lieblingsball ins Wasser, hatte ihn aber vorsichtshalber an
die Leine angebunden.
Unter
Dackelfreunden geht nämlich die Story um, das einmal Menschen alles Spielzeug
ins Wasser geworfen hatten, um uns zur Wasserfreude zu erziehen. Die Hunde
betrachteten interessiert das Tun der Menschen, aber keiner dachte daran, das
Spielzeug wieder aus dem Wasser zu holen. Schließlich musste sich einer der
Menschen ausziehen, ins Wasser gehen und das Spielzeug einsammeln. Da sieht man
wieder, wie es um die angebliche Schlauheit der Menschen bestellt ist.
Doch
zurück zum Hundestrand. Nun hatte mein Vater aber nicht bedacht, dass der Ball
(muss wegen meiner Beißfreudigkeit aus Vollgummi sein) untergeht. Potz Blitz
und Wackeldackel! Sollte ich vielleicht unter Wasser das Maul aufmachen. Ich
versuchte unterzutauchen und den Ball mit der Pfote an die Oberfläche zu
treiben. Dass man beim Untertauchen die Augen schließen muss, hatte ich schnell
begriffen. Schließlich sah mein Vater die Unmöglichkeit meiner Versuche ein und
zog den Ball an Land. Das nächste Mal muss er mir eben ein schwimmfähiges
Spielzeug mitnehmen. Man hat schon seine Probleme mit den Menschen. Mein
Frauchen war die ganze Zeit aufgeregt und befürchtete, dass ich untergehen
könnte. So ungeschickt bin ich nun auch wieder nicht.
Schließlich
entdeckten meine Eltern noch auf einem Plan, dass wir am falschen Strand waren.
Wir gingen zum offiziellen Hundestrand, aber da waren keine Hunde und ich kam
mir ganz komisch vor. Nun haben meine Eltern ein Problem: Gehen wir das nächste
Mal zum offiziellen oder zum praktischen Hundestrand? Ein Glück, dass ich kein
Mensch bin und nicht solche Sorgen habe.
© by Eberhard Kamprad,
2001 überarb. Febr. 2009
8.
Hinterlassenschaften
Nach all
den Aufregungen hoffe ich, mit Herrchen einmal in Ruhe eine Runde drehen zu
können. Obwohl, so begeistert bin ich eigentlich nicht, es ist nicht das ideale
Spazierwetter. Schließlich besteht die Gefahr, dass ein paar Regentropfen auf
mein Fell fallen könnten. Dazu pfeift ein kalter Wind. Aber wir Dackel sind ja
gewohnt, einer Notlage mutig ins Auge zu sehen. Also los!
Wir trotten
und trotten und trotten. Ich habe Zeit, aber mein Herrchen offenbar nicht.
Schließlich ermahnt er mich, dass wir nicht zum Spaß bei diesem Wetter auf die
Straße gegangen seien. Ich solle nun endlich an mein Geschäft denken. „Wuzzi!
Wuzzi!“ Gemach, gemach. Schließlich muss ich erst in Stimmung kommen und einen
Platz finden, der mir zusagt. Für die Stimmung dienen am besten ein paar
Hinterlassenschaften von Artgenossen. Aber leider halten sich viele
Hundebesitzer an die Stadtordnung und räumen alles in Tütchen weg. Na, endlich
was gefunden! Riecht gut! Oh, da komm ich gleich in die richtige Gefühlslage.
Ich hocke mich hin und mache einen runden Rücken. Potz Blitz und Wackeldackel!
Guckt da nicht mein Erzfeind, der Kater Blacky, um die Ecke? Nicht einmal in
Ruhe sch… kann man.
Na, dem werde
ich es zeigen! So, jetzt mit den Hinterpfoten kräftig scharren, damit alles
breit verteilt wird und viele etwas davon haben. Jeder soll wissen, dass ich
hier gewesen bin. Mit stolz erhobenem Schwanz trotte ich weiter und blicke mich
noch einmal um. Und was sehe ich da? Blacky steht mitten auf der Wiese. Er legt die Ohren zurück. Sein Mund
ist verkniffen und seine Schnurrbarthaare klappen nach hinten als würde ihm ein
Sturm um die Ohren blasen. Die Schwanzspitze zuckt und seine Bewegungen sind
sehr majestätisch.
Ich spüre
richtig, wie es in seinem Kopf rattert und denkt: Meint dieser blöde Köter, er
kann mir mit seinem Gestank mein Katzenrevier vermiesen. Schnell frische Erde
darüber. Und da und dort! Man ist das eine Arbeit. Musste er seine
Hinterlassenschaften über das ganze Gelände verteilen. Dort liegt noch ein
Stück. Endlich geschafft! Mein Revier ist wieder in Ordnung. Nun noch
schnell ein paar kätzische Duftmarken
setzen.
Doch der
Triumph des Katers wird nicht lange währen. Schließlich komme ich morgen wieder
vorbei.
© by Eberhard Kamprad, Mai
2009
9. Ich und die GROSSEN
Hallo
Dackelfreunde! Diesmal wird es eine überwiegend philosophische Geschichte
werden. Ich und die Großen: 6 kg gegen 60 kg - ein heikles Thema, wobei die
Sympathie der Menschen meistens auf der Seite von uns Kleinen ist, obwohl wir
auch ganz schöne Giftzwerge sein können; besonders wenn wir uns durch
Fehlverhalten unserer Menschen stärker fühlen, als wir sind.
Durch
die „Kampfhunde“-Diskussion der letzten Zeit hat sich unter den Menschen
Verunsicherung uns Hunden gegenüber ausgebreitet. Wir Kleinen bekommen
wenigstens noch einen Mitleidsbonus, aber die großen Kollegen haben viel unter
dieser Situation zu leiden. Während selbst das ernsthafte Drohen von uns
Kleinen nicht ernst genommen und noch als niedlich empfunden wird, darf ein
Großer nicht einmal gähnen; schon fühlen sich die Menschen von den „mächtigen
Kiefern des Ungeheuers“ eingeschüchtert. Dabei sind die Großen oftmals
anschmiegsamer und leichter lenkbar, als wir eigensinnigen Dackel. Nun ja, der
Mensch hat uns nun einmal als Einzelkämpfer gezüchtet, der auf eigene Pfote
gestellt, im Fuchs- oder Dachsbau klarkommen muss. Nur hat das natürlich Folgen
für unser Leben als Familienhund. Doch jetzt bin ich über meinen eigenen
Problemen vom Thema abgekommen.
Leider
ist die Front der Hundefreunde gegenüber den Hundehassern zerbröckelt. Die
Besitzer der Kleinen sind gegen die Großen, weil es vermeintlich umgekehrt der
Fall ist. Häufig nehmen die Menschen uns dann noch auf den Arm, um uns vor den
„Bestien“ zu beschützen. Dabei brauchen wir doch so dringend den Kontakt mit-
und untereinander. Ich hatte begonnen, Große, die friedlich vorübergingen
anzubellen. Das habe ich so gelernt, wenn wir mit der Dackelgruppe spazieren
gingen. Dort machen es alle so. Doch meinen Menschen gefiel das gar nicht. Sie
wollten, dass ich gut sozialisiert sei; so nennen das die Menschen. Deshalb
gingen sie mit mir auf die Hundewiese bei uns im Park. Auf den ersten Blick
sind da nur Große zu sehe, denn alles, was kleiner ist als ein Cocker Spaniel,
bleibt im Gras versteckt. (Mich zum Beispiel sieht man nicht, wenn ich da
hocke.) Die meisten Menschen mit Kleinen machen ängstlich einen Bogen um die
Hundewiese. Dabei gibt es dazu gar keinen Grund. Alle die ich bis jetzt
kennenlernte, waren lieb und nett und folgten ihrem Menschen meistens besser
als ich.
Natürlich
war es mir am Anfang etwas mulmig, wenn so ein Riese auf mich zukam, um mich zu
beschnuppern. Etwa so, wie wenn man als Mensch einem Elefanten gegenüber steht.
Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und möchte die Besuche auf der
Hundewiese nicht mehr missen. Nur einmal geriet ich in Panik als sieben Große
auf einmal auf mich zustürzten. Aber da waren die Menschen der Großen schnell
da, riefen ihre „Bestien“ zur Ordnung und überprüften besorgt, ob mir nichts
passiert sei.
Ich
richte mich immer nach dem Rudelführer, meinem Herrchen Er streckt fremden
Großen die offene Hand hin und lässt sie zur Begrüßung schnuppern. Aus der
Reaktion sehen wir dann, ob der Hund Kontakt will oder sich abwendet.
Viele
Riesen sind sehr liebebedürftig und wollen immer, dass mein Herrchen mit ihnen
schmust und sie abklopft. Da kann ich dann auch eifersüchtig werden, aber als
einfaches Rudelmitglied ist mir klar, dass ich mich nach dem „Leitwolf“ zu
richten habe. Zu Anfang hatte ich einige Male versucht, eine andere Meinung als
der Chef zu haben, aber da wurde ich mit Schnauzengriff und Rückenwurf schnell
in meine Schranken gewiesen. So habe ich gelernt auf der Straße ruhig und
gelassen, an jedem großen Kollegen vorbeizugehen, ohne ihn zu provozieren und
anzukläffen.
Mittlerweile
bin ich eine bekannte Persönlichkeit. Wenn ich auf der Hundewiese auftauche,
kommen zuerst meine Bekannten, um mich zu begrüßen. Sind sie sehr groß, trollen
sie sich bald wieder und spielen untereinander, weil sie erkennen, dass mit mir
- außer der Begrüßung - nichts anzufangen ist. Wenn die großen Kerle
miteinander spielen sieht und hört sich das gefährlich an. Aber ich weiß ja,
dass es nur Spaß ist.
Dann
habe ich meine speziellen Freunde von der mittleren Kategorie, so bis 15 kg.
Mit denen kann ich richtige Kampf- und Rennspiele veranstalten, wobei ich trotz
meiner kurzen Pfoten nicht die Schlechteste bin. Auch habe ich eine eigene
Kampftechnik entwickelt, bei der ich mich blitzschnell zur Seite rolle oder
einen Purzelbaum schlage, so dass der Gegner ins Leere tappt. Bei Menschen, die
das zum ersten Mal sehen, ruft das immer große Verwunderung hervor. Ich bin
dadurch sehr sportlich geworden. Mein Herrchen meint, dass das Training für
meinen empfindlichen Rücken besser ist, als wenn ich überbehütet werde, weil
ich dadurch kräftige Muskeln bekomme. Etwas ängstlich ist manchmal mein
Frauchen, wenn ich im „Würgegriff einer Bestie“ liege.
Wird es
mir zu viel, springe ich auf die Steineinfassung, auf der die Menschen sitzen,
ruhe mich aus und betrachte mir das Ganze aus der Perspektive eines Großen. Das
ist auch ganz interessant. Der Eine oder Andere kommt heran und sagt: „Schau
mir in die Augen, Kleines!“, was ich dann bequem tun kann und frechen Rüden
kann ich eins auf die Nase geben. Wenn ich mich ausgeruht habe, geht es weiter.
Ich
bedauere die Artgenossen, denen ihre Menschen aus Überängstlichkeit diese
Lebensfreude verwehren. Wir sind nun einmal Lauftiere und wollen rennen und
jagen; unsere Kräfte messen und buddeln. Vielleicht kommt der eine oder andere
Mensch durch meine Erzählung, dazu, seinen Kleinen diese Freude zu gönnen.
Schließlich sind wir alle, ob groß oder klein, Wölfe.
Ein
Jahr später: Inzwischen habe ich
eine große Abneigung gegen die Hundewiese gefasst, obwohl mir niemand etwas
getan hat. Ich mag die Großen einfach nicht mehr. Sie sind mir doch etwas
unheimlich. Ständig dieses von oben herab beschnuppern oder gar die schwere
Tatze auf meinem empfindlichen Rücken. Es reicht mir. Wenn mein Herrchen den
Weg Richtung Hundewiese einschlägt, laufe ich einfach nicht weiter und setze
mich hin. Da nehme ich auch in Kauf, dass mein Herrchen mit mir schimpft. Um
Gehorsam zu zeigen, schleppe ich mich ein paar Schritte weiter und setze mich
wieder. Doch inzwischen hat ihn mein trauriges Aussehen erweicht. Er zwingt
mich nicht mehr auf die Hundewiese. Nun kann ich mich wieder freuen, wenn es in
den Park geht. Mein Mensch hat daraus gelernt, dass ein Hund eben keine
programmierte Maschine ist und nicht immer logisch erklärt werden kann.
Vielleicht ist in einem Jahr alles wieder ganz anders? Wer weiß?
© by Eberhard Kamprad,
2001 überarb. Juli 2009
10. Dackelwanderung
Hallo
Freunde, heute will ich euch meine Erlebnisse auf der Dackelwanderung zu einem
See erzählen, die der Verein für uns (oder für die Menschen?) organisierte. Aufregend war schon die Suche nach dem in der Einladung
angegebenen Treffpunkt, weil sich inzwischen sowohl die Linienführung der
Straßenbahn als auch der Straßennamen geändert hatten. Aber meine Eltern
kannten zum Glück die Gegend, weil sie vor meiner Zeit oft dort gewandert
waren. Andere Artgenossen hatten mit ihren Menschen nicht solches Glück. Zwei
kamen auf der anderen Seite des Sees an und ihre Menschen hatten nicht bedacht,
dass zwischen einem Dorfteich, wo man schnell auf die andere Seite gehen kann,
und einem See aus einem ehemaligen Tagebau mit 14 Kilometern Umfang ein
Unterschied ist. Menschen und Hunde stießen erschöpft erst am Ende der
Wanderung zu uns. Sie mussten dann von einem Dackelfreund mit dem Auto zu ihrem
Fahrzeug, das auf einem Parkplatz auf der anderen Seite des Sees stand,
zurückgefahren werden.
Doch
zurück zum Anfang. Lautes Gebell kündigte an, dass offensichtlich hinter der
nächsten Wegbiegung der Treffpunkt lag und so war es dann auch. Rund 30 Menschen und etwa 20 Dackel waren gekommen. Während bei
den Hunden die Geschlechter in etwa gleich verteilt waren, war bei den Menschen
der weibliche Teil eindeutig in der Überzahl. Wir sind nun einmal etwas für
zarte Frauenhände; wenn man von der geringen Zahl der jagdlich geführten Teckel
einmal absieht.
Vor
Beginn stärkten sich die Menschen mit einem Schluck „Jägermeister“. Wir Hunde
haben solcherart Aufmunterung zum Glück nicht nötig und waren froh, als es
endlich losging. Der Weg führte zuerst durch einen alten Gutspark. Da gab es
viel Interessantes zu schnuppern, was man von dem weiteren Weg durch das
ehemalige Braunkohlengelände nicht sagen konnte. Frisch geschotterte Wege sind
ein Graus für unsere Pfoten. (Wieder zuhause musste mich mein Frauchen gleich
mit Pfotenbalsam behandeln.) Endlich waren wir am See. Einige von uns stellten
gleich ihre Wasserfreude unter Beweis, als ob Begleithundeprüfung wäre;
schwammen und holten begeistert Stöckchen aus dem Wasser, als ob
Begleithundeprüfung wäre. Ich kann dem Schwimmen kein besonderes Vergnügen
abgewinnen. Höchstens wate ich einmal bis zum Bauch im flachen Wasser, um mich
bei Hitze abzukühlen.
Hauptziel
der Wanderung war ein hölzerner Aussichtsturm. Das war nun wieder etwas nur für
die Menschen. An uns Hunde hatte niemand gedacht. Was sollen Hunde im
allgemeinen und Dackel mit ihren kurzen Pfoten im besonderen mit einem
Aussichtsturm anfangen. Man wäre ja viel zu weit von der Erde weg, um etwas
Vernünftiges zu riechen und als wir Hunde als Ersatz auf dem Plateau, worauf
der Aussichtsturm stand, herumtollen wollten, musste es gleich wieder
weitergehen, weil das Essen wartete; für die Menschen natürlich.
Im
engen Hof der Gastwirtschaft fanden mit Mühe alle Menschen Platz; aber es
gab keinen Platz, an dem wir Dackel es
uns gemütlich machen konnten. Die meisten von uns mussten unter dem Tisch
sitzen und aufpassen, dass sie nicht getreten wurden. Und das sollte nun ein
Dackeltreffen sein. Potz Blitz und Wackeldackel! Na, zum Glück bin ich etwas
Besonderes und gewohnt, auf dem Schoß meines Vaters am Tisch zu sitzen. Während
des langen Wartens auf das Essen vertrieben sich die Menschen die Zeit mit
sogenannten Dackelgesprächen; also über uns ’rumklatschen, als ob sie wüssten,
wie es in uns aussieht. Weil mir das Ganze zu langweilig war und ich sehr unruhig
wurde, hatten meine Menschen aber dazu keine Gelegenheit, da sie sich pausenlos
mit mir beschäftigen mussten. Da haben sie wenigstens etwas Sinnvolles getan.
Als endlich das Essen kam, verlangte ich gewohnterweise meine Kostehäppchen und
erregte Erstaunen oder Entsetzen, weil ich die mir von meinem Vater gebotenen
Happen manierlich von der Gabel essen konnte.
Alles
in allem war es, zumindest für die Menschen, ein gelungener Tag. Uns Hunde hat
niemand um unsere Meinung gefragt. Ich war froh, als ich wieder zu Hause war
und meine gewohnte Ordnung hatte.
Damit
endet jetzt der erste Teil meiner Berichte. Mein Hundeleben ist eingerichtet.
Ich habe mich an meine Menschen und sie sich an mich gewöhnt und so geht es
hoffentlich eine lange Zeit weiter.