http://www.ekamprad.info

 

Lebenserfahrungen

Aphorismen und Minitexte

Eberhard Kamprad

 

Schreiben ist: Die MÖGLICHKEIT haben, bedeutend zu sein. In 100 Jahren weiß man, ob es stimmt.

 

Ich gehe im Park quer über die Wiese. Hinter mir schnuffelt der Hund durch das Gras, vor mir liegt eine barbusige Studentin in demselben, studiert und sonnt sich. Als ich mich nähere, richtet sie sich empört auf und hält den Schnellhefter vor die üppige Brust. Warum kann sie nur der unbelebten Schöpfung zeigen, was die Natur ihr gegeben hat; Symbol für die Zerrissenheit des ZIVILISIERTEN Menschen. Dann wäre es konsequenter gar nichts zu zeigen.

 

Der medizinische Fortschritt ist ungeheuer und der technisch-apparative Aufwand steigt ständig, doch die Menschen werden nicht gesünder. Ist vielleicht der grundlegende Denkansatz falsch? Denn es werden nur die Folgen BEKÄMPFT, aber es wird nicht nach den Ursachen GEFRAGT.

 

Ich besuche die Homepage eines anderen JUNGEN Autors. Eine Vielzahl von Texten wird zur Verwertung angeboten. Das Ganze wirkt sehr professionell. Ich wollte eigentlich einen Gedankenaustausch über Schaffensprobleme anbieten, aber nun schrecke ich zurück und verzichte. Warum? Darüber muss ich nachdenken! Vielleicht schrecke auch ich andere durch eine SCHEINBARE Professionalität ab?

 

Schreiben ist: Zuhörer für etwas suchen, das scheinbar keiner hören will.

 

Es scheint, dass sexuelle Gedanken, sich in der Ausstrahlung (im Energiefeld?) eines Menschen widerspiegeln. Oft schon habe ich beobachtet, dass junge Frauen auf eine wissenschaftlich nicht nachweisbare Art spürten, ob ich neutral oder mit sexuellen Gedanken an ihnen vorüberging. Allerdings merkte ich das nur an der abwehrenden Reaktion, als ob es mir in meinem Alter nicht mehr zustünde so zu reagieren, während sie die BOTSCHAFTEN Gleichaltriger mit Befriedigung zur Kenntnis nahmen. Resignieren?!

 

Bundesverband JUNGER Autoren: Ordentliches Mitglied kann werden, wer nicht hauptberuflich als Autor/in tätig ist und das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet hat; also Menschen, die JUNG an Erfahrung und JUNG an Jahren sind. Doch was ist mit denen, die JUNG an Erfahrung und ALT an Jahren sind? Ich fürchte, für meinen Vorschlag Bundesverband der Hobbyautoren, werde ich - vor allem bei den Jungen - keine Mehrheit finden, denn er postuliert eine dauerhafte zweite Kategorie neben den RICHTIGEN Schriftstellern, während der jetzige Name suggeriert, dass es sich um RICHTIGE Schriftsteller handelt, denen nur noch die Jahre fehlen. Schade für mich als alten Hobbyautor, der sich sowohl zum Hobby als auch zum Alter bekennt, denn was sollte ich als FÖRDERNDES MITGLIED, ich, der selbst noch gefördert werden möchte.

Anmerkung: Inzwischen wurde die Altersbegrenzung aus den Statuten gestrichen.

 

Denken, was andere von einem denken, sind nur die eigenen Gedanken, Meinungen, Vorurteile.

 

Als ich 13 Jahre alt war, zeigte mir ein Mädchen, wie sie untenherum gebaut ist. Leider war ich so verklemmt AUFGEKLÄRT, dass ich mir zwischen meinem Körper und der Spalte zwischen ihren Beinen keinen Zusammenhang denken konnte und leider hatte mir meine Mutter beigebracht, dass sich ein anständiger Junge so etwas nicht anguckt, so dass ich statt den Anblick zu genießen schnell den Blick abwandte und leider begriff ich nicht warum das Mädchen „Dummer Junge“, sagte, seine Sachen zusammenpackte und verschwand.

 

LIEBE

Wenn ich ihren zarten Körper in den Armen halte, kann ich mir kein größeres Glücksgefühl vorstellen. Sanft gleitet meine Hand durch ihr dichtes, schwarz-braunes Haar. Besonders gern hat sie es, wenn ich ihr über den Rücken fahre und jeden Wirbel einzeln abtaste. Dann bedankt sie sich mit ungeschickten, feuchten Küssen. Oft reiben wir unsere Nasenspitzen aneinander. Dabei kann ich einen tiefen Blick in die geheimnisvollen Abgründe ihrer braunen Augen tun und frage mich, was geht in ihrem Geist vor, was denkt sie, was fühlt sie?  Ihr wohlgeformtes Hinterteil ist mir immer ein entzückender Anblick. Beim Gehen wackelt sie damit auf eine bezaubernde Art hin und her und ich kann mich nicht entscheiden, ob sie von vorn oder von hinten hübscher aussieht. Besonders verlockend ist es, die zarte rosa Haut ihres Bauches zu streicheln. Dann rekelt sie sich wohlig in meinem Arm und wenn ich ihr sage: „Ich liebe dich“, antwortet sie mit einem kräftigen „Wuff“ – meine Dackelhündin Dolly.

2001

Veröffentlicht bei: http://www.fred-lang.de/andere2.htm#Liebe

 

Es gibt keine gefährlichen Hunde; nur gefährliche Hundehalter.

Febr. 2002

 

Euroumstellung: Um uns das Gefühl der Fremdheit mit der neuen Währung zu nehmen, passt der Handel die Zahlen an die alten DM-Preise an. Statt 2 DM, nun 2 Euro. Leider hatten diejenigen, die für unsere Einkommen verantwortlich sind, nicht die gleiche Idee.

Juli 2002

 

Regelmäßig ins Krankenhaus: Wird man entlassen, ist der nächste Aufenthalt weit, weit weg und dann rückt er langsam näher und immer näher, bis er schließlich in einer Woche, dann am nächsten Tag ist und schließlich Wirklichkeit wird, ohne dass man etwas dagegen tun kann.

Oktober 2002

 

NEUDEUTSCH

Es war ein Frühlingstag, wie aus dem Bilderbuch, in einer nicht allzu fernen Zukunft. Die Sonne schien von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Die Vögel zwitscherten, das erste Grün kam hervor. Der Tag war viel zu schön, um ins Krankenhaus zu gehen, aber Krankheit fragt nicht nach dem Wetter. Vorerst konnte ich nicht die Schönheit der Natur genießen.

 

Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Wirklichkeit. „Patientenaufnahme umgezogen“ lenkte ein Schild meine Schritte aus der gewohnten Bahn. Ich betrat einen lichtdurchfluteten Saal, moderne Malerei an den Wänden. Das Gedränge im Flur, die Frage, wer der Letzte sei, die Diskussion darüber, die in Gesprächen über die verschiedenen Krankheiten mündeten – das alles gab es nicht mehr. Ich ließ den Aufrufautomaten meine Nummer drucken und nahm an einem Tisch allein Platz. Die paar Menschen verloren sich in der weiten Halle. Wie ein gebanntes Kaninchen verfolgte ich die Anzeigetafel. Beim nächsten Gongschlag musste meine Nummer erscheinen: 748 Platz 3.

 

Ich nahm gegenüber einer blonden Schönheit Platz.

„Ich bin Helena“, flötete sie. „sei herzlich willkommen im ZWG.“

„... im Zentrum zur Wiederherstellung der Gesundheit“, ergänzte ich reserviert. „Früher nannte man das Krankenhaus.“ Ich konnte es nicht leiden, wenn Angestellte, auch wenn es schöne Frauen waren, so vertraulich taten, als hätte man schon zusammen im Sandkasten gespielt.

„Jetzt sind andere Zeiten“, erwiderte sie schnippisch, „im Insassen-Management repräsentieren wir den neuen Stil.“

„Danke!“, entgegnete ich, „die alte Patientenaufnahme fand ich gemütlicher.“

„Nun, das ist deine Sache. Die Chip-Card bitte“!

„Hier ist die Mitgliedskarte meiner Krankenkasse“. Sie schaute irritiert von ihrer Tastatur auf, sagte aber nichts.

„Bist du in Eigenregie gekommen?“

„Mit der Straßenbahn.“

„Das ist Eigenregie. Kannst du nicht einfach meine Fragen beantworten. Wir müssen auf Effizienz achten. Das Install-Document?“

„Hier ist der Einweisungsbeleg meines Arztes.“ Ich schob ihr die Laserfolie hinüber. Sie warf mir einen bösen Blick zu.

„Single-Room gewünscht?“

„Ein Einzelzimmer kann ich mir nicht leisten.“

„Ich habe nicht nach Einzelzimmer gefragt, sondern, ob ich Single-Room ankreuzen soll.“

„Single-Room bedeutet aber Einzelzimmer.“

„Hör zu Opa, wenn du mich provozieren willst, hole ich den Supervisor. Ich spreche ein normales Deutsch. Das ist Schikane, wenn du mich mit deinen Ausdrücken aus dem Altertum durcheinander bringen willst.“

Sie schniefte erregt. Beruhigend winkte ich ab. „Ich will dich nicht schikanieren, schönes Kind und keinesfalls will ich deine Effizienz stören. Du brauchst nicht den Aufseher zu holen.“ Das Lob an ihr Aussehen zeigte seine Wirkung, das berufsmäßige Lächeln kehrte auf ihr Gesicht zurück und sie schluckte sogar den „Aufseher“.

Welche Catering-Stufe? Full-Time, Two-Times oder One-Time?“

„Das billigste“, umschiffte ich die Klippe.

„Dann musst du dir aber einiges im Shop holen, wenn du satt werden willst.“ Sie lächelte mir versöhnlich zu. „Hier sind die Nummer und die Way-Description zu deinem Hospital-Room.“

Ich lächelte zurück und machte mich auf den Weg zu meinem – Krankenzimmer.

2002/Mai 2003

 

Wenn eine junge Frau ihm etwas Heruntergefallenes aufhebt, merkt ein Mann, dass er alt geworden ist.

Dez. 2002

 

MISSVERSTÄNDLICH

Die Verwendung von Pronomen kann beim Zuhörer zu groben Missverständnissen führen, wie folgender Dialog beweist:

ER: Soll ich reinstecken? Ich hab ihn schon in der Hand?

SIE: Da wäre ich sehr dankbar, denn bei mir ist es ganz unten.

Dazu muss man wissen, dass es sich um zwei Hausbewohner handelt, die vor der mit einem Schnapper versehenen Haustür stehen. Mit „ihn“ ist der Hausschlüssel gemeint und mit „es“ das Schlüsselbund, dass sich zuunterst in der Tasche befindet, darüber die Einkäufe.

Dez. 2002

 

GESPRÄCHSPARTNER

Jedem Menschen wünsche ich solch einen aufmerksamen Gesprächspartner. Beginne ich zu reden, richtet er aufmerksam den Blick auf mich. Ab und zu blinzelt er zustimmend mit den Augen. Nie gibt er Anzeichen von Ungeduld oder Langeweile von sich. Interessiert folgt er meinen Ausführungen. Muss er doch einmal gähnen, dreht er dezent den Kopf zur Seite. Sind die Ausführungen länger, nimmt er eine bequeme Lage ein. Doch seine Aufmerksamkeit drückt er weiterhin aus, indem er den Kopf schief hält. Bin ich mit meiner Rede zu Ende, steht er auf und – wedelt zustimmend mit dem Schwanz, mein Hund.

Dez. 2002

 

Toleranz nützt nichts, wenn sie eine Einbahnstraße ist.

Dez.. 2002

 

Wer von einem Problem emotional stark berührt ist, schweige einen Tag darüber.

Jan. 2003

 

Mein Bestreben ist es, MIT dem Computer zu arbeiten und nicht FÜR ihn. Viele Computerfreaks sind immerzu damit beschäftigt zu installieren, zu modernisieren, zu reparieren, zu updaten, zu upgraden. Wann kommen sie dazu, mit dem Computer zu arbeiten?

Jan. 2003

 

Nutzen von Schreibratgebern: Regeln sind für Lehrlinge und Gesellen da, dem Meister ist alles erlaubt: Nur muss man erst einmal Meister werden.

Okt. 2004

 

DIE  LIEBEN  MITMENSCHEN

Gehe ich mit dem Hund auf der Straße, habe ich meine Not mit den lieben Mitmenschen.

Lasse ich ihn an der langen Leine vornweg laufen, erklärt mir eine, dass der Hund erzogen werden muss und „Fuß“ zu laufen hat.

Zwinge ich den Hund mit kurzer Leine auf einer belebten Straße „Fuß“ zu laufen, ruft mir einer hinterher: „Tierquäler, dir sollte man den Hund wegnehmen!“

Lasse ich den Hund im Park ohne Leine laufen - im Winter, wenn fast nur Hundefreunde unterwegs sind - belehrt mich eine Dame, dass in der Stadt Leinenzwang wäre und sie mich anzeigen wolle.

Führe ich den Hund im Sommer an der 8-Meter-Leine über eine mit Sonnesuchenden belegte Wiese, spricht mich ein „Tierfreund“ an, dass das nicht artgerecht wäre und der Hund Freilauf brauche.

So liebe Mitmenschen - und wenn ihr mich jetzt mit Hund auf der Straße trefft, dann lasst uns bitte in Ruhe; gleichgültig, in welcher Art wir gerade laufen.

Nov. 2004

 

FORTSCHRITT: Am 13. Dezember 2004 war es endlich soweit. Die Bahn fuhr zwischen Hamburg und Berlin wieder so schnell wie 1931; allerdings nur der Sonderzug mit der Prominenz. Der planmäßige ICE blieb wegen Motorschaden liegen und kam mir 70 Minuten Verspätung an.

Dez. 2004

 

Was ist typisch deutsch? - Wenn eine Stadt ein juristisches Gutachten in Auftrag gibt, um zu klären, welcher Typ Müll - abfallrechtlich gesehen - Hundekot ist. Ausgangspunkt war die Frage, ob man die Tütchen mit den Hinterlassenschaften der Vierbeiner in die öffentlichen Papierkörbe werfen darf, wobei bei Verneinung ein weiteres Gutachten nötig wäre, um festzulegen, was man dann mit ihnen machen soll.

April 2005

 

Würde im Alter: Eine Krankenkasse verklagt ein Pflegeheim auf Erstattung der Krankheitskosten für den Oberschenkelhalsbruch einer Bewohnerin. Sie hätte angeschnallt oder durch Bettgitter eingesperrt sein müssen, dann wäre das nicht passiert. Zum Glück wies der Bundesgerichtshof diese Argumentation zurück. Schon das Ansinnen der Krankenkasse ist ungeheuerlich. Da ist das Tierschutzgesetz „menschlicher“ dass eine artgerechte Unterbringung und Mindestplatz vorschreibt.

April 2005

 

LOGIK

Wegen der aufwändigen denkmalpflegerischen Auflagen findet ein Gebäude keinen Käufer. Also verfällt es und muss wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Nun hat zwar die Gesellschaft auch kein denkmalgerecht saniertes Gebäude, aber wenigstens ist alles nach den Buchstaben des Gesetzes verlaufen. Besser kein Haus, als ein ungesetzlich saniertes. Mai 2005

 

STANDARDISIERTE  ANTWORTEN

vermitteln einem häufig das Gefühl, sich mit Geistesgestörten zu unterhalten: Als ich bei einem Versandhaus die Bestellung eines BH meiner inzwischen verstorbenen Mutter stornieren wollte, bekam ich eine Nachricht des Inhalts, dass das leider nicht möglich ist, aber man hoffe, dass ich schon eine Möglichkeit finden werde, den bestellten Artikel sinnvoll zu verwenden.

ODER

Ein Versandunternehmen schickt mir eine Nachricht als pdf-Dokument auf seiner Homepage. Ich teile dem Service mit, dass sich das Dokument trotz Ausschöpfung aller Tipps in den FAQs weder öffnen noch speichern lässt. Es kommt die Meldung, dass die Site zu dem Link auf dem Server nicht vorhanden sei. Was bekomme ich als Antwort? Die Tipps zum Öffnen von pdf-Dokumenten aus den FAQs.

Aug. 2007

 

Als ich in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das andere Geschlecht entdeckte, trugen die Frauen im allgemeinen Röcke; Hosen waren eine Ausnahme. Auch wenn heute hautenge Jeans die weibliche Anatomie genau widerspiegeln, sind die ausgelösten Gefühle nicht zu vergleichen mit der Verheißung eines schwingenden Rockes.

Okt. 2008

 

Mit zunehmendem Alter lernt man Emotionen geduldiger als in der Jugend zu ertragen: Man weiß, dass negative Gefühle – Trauer, Ärger, Zorn – nach einer Weile verblassen; aber leider ist das auch mit der Freude so.

Okt. 2008

 

DEUTSCHE BÜROKRATIE

In einer definierten Eckkneipe darf laut Gesetz zwar geraucht; es dürfen aber keine zubereiteten Speisen serviert werden. Bockwurst mit Brötchen ist gestattet. Nur – das Brötchen darf nicht aufgeschnitten sein, weil das dann eine Zubereitung wäre.

Okt. 2008

Die Entwicklung der Sprache geht manchmal merkwürdige Wege. In letzter Zeit muss ich oft das Wort Flyer benutzen. Da ich Fremdwörter – wenn es geht – vermeiden will, suche ich nach einer Alternative. Naheliegend wäre Flieger. Aber das Wort ist schon besetzt, nachdem in den 1970er Jahren das Kinderwort Flieger für Flugzeug in die Erwachsenensprache wechselte. Flugblatt geht auch nicht. Darunter versteht man einen politischen Text, Werbezettel klingt abwertend und Faltblatt wiederum erfasst nicht die ungefalteten einzelnen Blätter. Was bleibt also als Möglichkeit: Flyer; vielleicht bald eingedeutscht als Fleier. Unsere Vorfahren mussten schließlich auch mit Shawl und Strike fertig werden.

März 2009

 

In meiner Jugendzeit kämpfte man um Bezeichnungen der Dinge, wie in einem Glaubenskrieg. Als Lehrling wurde mir eine schriftliche Arbeit schlechter bewertet, weil ich Zollstock geschrieben hatte. Es musste aber Gliedermaßstab heißen. Und die Glühbirne hieß Glühlampe. Weil man nun in Konflikt mit der Lampe geriet, wurde diese zur Leuchte um genannt. Jetzt heißt es wieder Glühbirne. Dafür wird sie 2012 verboten.

März 2009

 

Ich kann über einen Zirkusclown NICHT lachen. Die Darstellung empfinde ich immer als eine Imitation und Verhöhnung von geistig Behinderten. Ich kenne einen solchen, der mich in seinem Verhalten stets an einen Zirkusclown erinnert. Er meint es aber ernsthaft, lieb und nett. Zum Glück merkt er selbst den Unterschied nicht. Und wie gesagt: ich kann über einen Zirkusclown nicht lachen.

März 2009

 

Hört ihr Hund denn gut? Hören tut er gut, er macht nur nicht, was man ihm sagt.

April 2009

 

Mindestens 50 % der Wirkung eines übersetzten Werkes gehen auf Kosten des Übersetzers: Ich war vom Buch eines amerikanischen Autors hell begeistert. Stil und Wortwahl sprachen genau meine Gefühle an. Ich kaufte ein zweites Buch. Es ließ mich völlig kalt. Ich schaute nach: ein anderer Übersetzer.

April 2009

 

Merkwürdigerweise lieben uns die Hunde trotzdem, obwohl wir in ihren Augen völlig Unsinniges tun: Wir schauen dem hoppelnden Hasen nach, statt ihn zu verfolgen; wir gehen an einem herrlich duftenden Haufen achtlos vorbei; wir begrüßen den Briefträger freundlich, statt ihn zu verjagen; wir versenken uns in Telefongespräche, obwohl niemand zu sehen oder zu riechen ist; …

April 2009

 

Zwei junge Frauen zeigen sich in der Straßenbahn die Bilder ihrer Kinder - - - auf dem Handy. Das ist zwar praktisch, schließt aber leider die Möglichkeit aus, dass in 100 Jahren auf dem Dachboden ein Karton mit alten Fotos gefunden wird.

April 2009

 

Einem chronisch Kranken sollte man nicht gewohnheitsmäßig Gesundheit wünschen, eher einen erträglichen Verlauf der Krankheit

April 2009

 

Eine Stadt nennt die Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes „Politessen“. Das ging solange gut, wie es nur Frauen waren. Als man die ersten Männer einstellte, trat das Problem der Benennung auf: Polier, Politeur waren schon vergeben. Politesserich klingt wie ein Vogelname. Schließlich wurden es – kurz und knapp - „Mitarbeiter des Ordnungsamtes“. Den Vogel schoss aber jetzt ein Journalist ab, der einfach negierte (oder wegen mangelnder Allgemeinbildung es nicht wusste), dass „Politesse“ ein weiblicher Begriff ist. Er meldete: 10 Kosovo-Kämpfer werden als Politessen eingestellt. Hoffentlich ohne Geschlechtsumwandlung. Arme Sprache!

April 2009

 

FAIR-PLAY

Der Fanklub sitzt gemütlich beisammen und verfolgt das Geschehen auf dem Großbild-Fernseher. Seine Favoritin hat die besten Aussichten auf die Goldmedaille. Eine Läuferin steht noch am Start. Nun rast sie mit 150 Stundenkilometern den Hang hinunter. Dazwischen Bilder des Fanklubs .Die meisten starren gespannt auf den Bildschirm. Nur diese Läuferin kann noch ihrem Liebling gefährlich werden. Da stürzt die Sportlerin auf der Piste und überschlägt sich mehrmals. Es sieht schlimm aus. Ein kurzer Moment des Erstaunens, Verwunderns. Dann reißt ein  einstimmiger Jubelschrei den Fanklub von den Sitzen. Alle fallen sich in die Arme.“Gold! Gold!

Febr. 2010

 

Gegen empfohlene oder gar aufgezwungene Bücher habe ich einen Widerwillen. Dieses Gefühl rührt offenbar von der Pflichtlektüre der Schulzeit her.

April 2010

 

Ein Vater rennt – an jeder Hand ein Kind – bei ROT über die Kreuzung. Wie soll sich bei diesen Kindern ein Begriff für Recht und Ordnung entwickeln?

April 2010

 

http://www.ekamprad.info