Neue Erfindung
Ein Bericht aus dem Jahr
3003
Eberhard Kamprad
Zentraleinheit
Mittelsachsen, 228/3003
Am heutigen Tag meldet die Zentraleinheit eine neue, bahnbrechende
Erfindung, die alles bisherige auf dem Gebiet der Informationstechnologie in
den Schatten stellt. Es handelt sich um nichts weniger als um einen eventuellen
Ersatz der Lesegeräte, die es bisher als einzige Möglichkeit gibt Text an den
Leser zu bringen.
Die funktionalen Vorteile der neuen Erfindung sind: Sie
verbraucht keinen Strom, benötigt also auch keine Batterien oder Akkus. (Das
ist besonders in Zeit knapper werdender Energieresourcen
ein entscheidender Vorteil.) Der Speicher ist unlöschbar,
außer wenn der Datenträger körperlich zerstört wird. Sie benötigt kein Network
oder World Wide Web, ist also auch keinen Hackerangriffen ausgesetzt. Sie kann
in jeder Lage und Situation benutzt werden, von der Toilette über die
Verkehrsmittel bis zum Bett. Da die Speicherung der Daten nicht magnetisch
erfolgt, brauchen Sie kein abgeschirmtes Transportmittel zum Schutz vor
Magnetpiraten.
Man kann sie auch mit Bildern versehen; die Erfinder
nennen es dann Bilderbücher. Damit sind sie sogar für kleine Kinder, die des
Lesens noch nicht mächtig sind, von Interesse. Aufgrund des „warmen“ Materials
– im Gegensatz zu den Lesegeräten - spricht es auch die Gefühle der Kinder an.
Sie nehmen die Bücher mit ins Bett, streicheln sie, lieben sie.
Wie sieht nun dieses Wunderwerk moderner Technik aus? Im
Aufriss hat es etwa die Größe eines Lesegerätes. Die Dicke ist abhängig von der
Zahl der Speichereinheiten. (Ab 500 Speichereinheiten wird es etwas unhandlich,
in diesem Fall empfiehlt sich die Herstellung von 2 Exemplaren. Auf die
Speichereinheiten können von beiden Seiten Daten aufgespielt werden. Die Daten
entsprechen den Zeichen, wie sie auch in Lesegeräten verwendet werden. Durch
ein besonderes Verfahren werden sie mit Hilfe schwarzer Farbe fixiert.
Die einzelnen Speichereinheiten, die Erfinder nennen sie
Seiten, sind an einer Seite miteinander verbunden und bilden ein kompaktes
Ganzes. Zum Schutz der Seiten erhält der Speicher eine feste Hülle, Einband
genannt. Ohne jedes Zusatzgerät blickt man auf die Seiten und nimmt die Daten
in sich auf, wie bei einem Lesegerät. Am Ende der Seite klappt man diese um und
setzt auf der nächsten fort. Auf die Art kann man auch rückwärts blättern.
Die Forschergruppe unter der Leitung von Jo Gensfleisch-Gutenberg schlägt für das neue Medium das
Kunstwort BUCH vor und bringt seiner Erwartung Ausdruck, dass es sich bald
umfassend durchsetzen wird. Kritiker meinen, dass kein Bedarf an einem neuen
Medium besteht. Seit hunderten von Jahren arbeiten die Menschen mit dem
elektronischen Lesegerät und es bestand bisher kein Bedarf an einer
Veränderung.
Lassen wir zum Schluss Jo Gensfleisch-Gutenberg
sprechen: Noch nie stand die Menschheit vor einer derartigen Herausforderung;
vor der Möglichkeit einen gewaltigen Entwicklungssprung zu machen; mit Hilfe
des BUCHES.
© by Eberhard Kamprad, Leipzig, Dez. 2010