Rapunzel für
Erwachsene
Erotisches Märchen
Die Brüder Grimm
Ergänzt von Eberhard Kamprad
Ich lese
meinem Enkel aus den Märchen der Brüder Grimm vor. Wir sind bei der Geschichte
von Rapunzel. Das ist die im Turm eingesperrte Schöne, an deren langen Haar ein
Prinz empor kletterte. Um weitere Kontakte zu verhindern, wurde sie von der
bösen Zauberin in die Wüste geschickt. Dort fand sie der Prinz wieder, zusammen
mit den Zwillingen, die sie inzwischen geboren hatte. Mein Enkel war zufrieden,
dass zum Schluss alles gut ausgegangen war. Er zog mit leuchtenden Augen ab.
Zum Glück hatte er nicht gefragt, wo die Zwillinge plötzlich herkamen.
Wie war Rapunzel zu den Zwillingen gekommen? Wieso hatten
die Eltern nach langer Zeit der Kinderlosigkeit plötzlich Rapunzel bekommen?
Warum hatte die Zauberin sie in den Turm eingesperrt? Fragen über Fragen, auf
die der Text keine Antwort gab. Hier setzte meine Fantasie ein und füllte die
Lücken im Original. Nur – jetzt kann ich das Märchen nicht mehr meinem Enkel
vorlesen.
Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die wünschten sich
schon lange vergeblich ein Kind. Sie versuchten es von vorn, von hinten und seitlich,
im Stehen, Sitzen und Liegen; alles vergebens. Schließlich hörte die Frau von
einem Wunderdoktor, der schon vielen in ihrer Lage geholfen habe. Unter dem
Vorwand eine alte Tante besuchen zu wollen, reiste sie in die Stadt. Der
Medikus empfing sie freundlich und meinte, dass bei ihrer Figur das
Kindermachen ein Vergnügen sein müsse. Er erkundigte sich nach ihren weiblichen
Körperfunktionen und teilte ihr mit, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt
gekommen sei. Die Methode seiner Behandlung halte er aber geheim, um sie vor
Kurpfuschern und Nachahmern zu schützen. Deshalb werden ihr während der
Behandlung die Augen verbunden. Sie solle sich schon mal freimachen, hinlegen,
die Beine spreizen und anwinkeln. Die Spezialbehandlung dauere zwar einige Minuten,
sei aber vollkommen schmerzlos, manchen Patientinnen sogar angenehm. Damit sie
nicht erschrecke, werde ihr die Empfindung vorgetäuscht, dass sie mit ihrem
Mann zusammen sei.
Bald schon fühlte die Frau, wie etwas in sie eindrang, nur
füllte es sie voller aus, als sie es von ihrem Mann gewohnt war und die Stöße
waren kräftiger. Die Spezialbehandlung rief auch bisher unbekannte Empfindungen
in ihrem Schoß hervor. Als sie meinte, ihr ganzer Körper müsse explodieren,
fühlte sie gleichzeitig, wie das Wundermittel in ihren Bauch gespritzt wurde.
Dann war die Behandlung beendet und sie durfte die Augenbinde abnehmen. Es
hatte sie doch mehr angestrengt als erwartet. Nach einigen Minuten der Ruhe
kleidete sie sich wieder an und gab dem
Medikus das vereinbarte, nicht geringe, Honorar. Er meinte, sie habe sehr gut
mitgearbeitet und die Behandlung werde bestimmt anschlagen. Frohgemut reiste
die Frau nach Hause. Nach der üblichen Zeit merkte sie, dass der Aufwand nicht
vergebens gewesen war. Auch ihr Mann freute sich, meinte er doch, dass er ihr
zu diesem Zustand verholfen habe.
Sie hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus
konnte man in einen prächtigen Garten sehen, der voll der schönsten Blumen und
Kräuter stand. Er war aber von einer hohen Mauer umgeben und niemand wagte
hineinzugehen, weil er einer Zauberin gehörte, die große Macht hatte und von
aller Welt gefürchtet ward. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und
sah in den Garten hinab. Der erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten
Rapunzeln bepflanzt war, und sie sahen so frisch und grün aus, dass sie lüstern
ward und das größte Verlangen empfand von den Rapunzeln zu essen.
Der Mann erschrak, als er davon hörte: „Musst du immer
etwas Besonderes sein? Andere Schwangere haben Lust auf saure Gurken. Die gibt
es auf dem Markt.“
Doch das Verlangen der Frau nahm jeden Tag zu, und da sie
wusste, dass sie keine von den Rapunzeln bekommen konnte, so fiel sie ganz ab,
sah blass und elend aus.
„Ach“, sagte die Frau, „wenn ich keine Rapunzeln aus dem
Garten hinter unserem Hause zu essen kriege, so sterbe ich, und mit mir das
Kind, das du dir so gewünscht hast und das uns beiden solche Anstrengungen
gekostet hat.“
Der Mann, der sie sehr lieb hatte, dachte: Ehe du deine
Frau und das Kind sterben lässt, holst du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten,
was es will.
In der Abenddämmerung stieg er also über die Mauer in den
Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Hand voll Rapunzeln und brachte
sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und aß ihn voller
Begierde auf. Die Rapunzeln hatten ihr aber so gut geschmeckt, dass sie den
anderen Tag noch dreimal so viel Lust darauf bekam. Sollte sie Ruhe haben, so
musste der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der
Abenddämmerung wieder hinab.
Als er aber die Mauer herabgeklettert war, erschrak er
gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen. „Wie kannst du es wagen“,
sprach sie mit zornigem Blick, „in meinen Garten zu steigen und wie ein Dieb
meine Rapunzeln zu stehlen. Das soll dir schlecht bekommen!“ „Ach“, antwortete
er, „lasst Gnade für Recht ergehen, ich habe mich nur aus Not dazu
entschlossen: Meine Frau hat Eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt und
empfindet ein so großes Gelüsten, dass sie sterben würde, wenn sie nicht davon
zu essen bekäme.“
Da ließ die Zauberin in ihrem Zorn nach und überlegte. „Es
gibt eine Möglichkeit, dich der Strafe zu entziehen.“ „Ja?“, erwiderte der Mann
hoffnungsvoll. „Sei mir von heute an drei Mal zehn Nächte zu Willen und
verfahre mit mir, als wäre ich deine Frau. Versagst du einmal und verletzt die
Bedingung, so musst du mir das Kind geben, dass deine Frau zur Welt bringen
wird. Es soll ihm gut gehen und ich will für es sorgen wie eine Mutter.“ Der
Mann sagt in der Angst alles zu. Sogleich hob die Zauberin ihre Röcke auf,
lehnte sich an die Mauer und der Mann machte sich an die Arbeit. Als beide
erschöpft voneinander ließen, stach der Mann noch schnell ein paar Rapunzeln
und wankte davon. „Vergiss nicht!“, rief ihm die Zauberin nach, „morgen:
gleiche Zeit, gleicher Ort."
Der Mann brachte seiner Frau die Rapunzeln, die sich gierig
darüber hermachte. Sie war so in ihren Gelüsten befangen, dass sie gar nicht
merkte, wie mitgenommen ihr Mann von dem bisschen Rapunzel stechen war. Mein
Gott dachte der Mann, wie soll ich das nur noch neunundzwanzigmal aushalten?
Tagsüber die schwere Arbeit auf dem Feld und abends diese Fron. An Rapunzeln
war jetzt kein Mangel, aber der Mann verfiel immer mehr. Nach einiger Zeit
wandten sich die Gelüste der Frau endlich den sauren Gurken zu, die es billig
auf dem Markt gab, aber die Zauberin entließ den Mann nicht aus dem Vertrag,
obwohl er nun keine Rapunzeln mehr brauchte. Beim neunundzwanzigsten Mal konnte
er nur noch mit Mühe seine Pflicht tun,
und wie zum Hohn, brauchte die Zauberin diesmal besonders lange, bis sie
zufrieden war. Sie bemerkte seine Schwäche und lächelte in der Dunkelheit in
sich hinein, während der Mann sich abmühte. Sie sah sich ihrem Ziel nahe, das
Kind zu bekommen.
Mit ihren Zauberkräften bescherte sie der Frau einen
Schwächeanfall, so dass der Mann, als er von Feld heimkam, auch noch das Vieh
versorgen musste. Erschöpft schleppte er sich zum Treffpunkt. „Erlasst mir dies
eine Mal, edle Frau“, bat er, „ich habe mich redlich bemüht, Euch zufrieden zu
stellen, aber heute versagen mir alle meine Glieder den Dienst.“ „Ihr kennt
unsere Abmachung“, entgegnete sie kalt, „auch brauchst du zu deiner Aufgabe ja
nur ein Glied. Vorwärts, an die Arbeit!“ Dabei hob sie ihre Kleider auf. Doch
schon der Anblick des Dargebotenen war zu viel für den Mann. Ohnmächtig sank er
zu Boden. Die Zauberin entfernte sich triumphierend.
Als die Frau in die Wochen kam, so erschien sogleich die
Zauberin, gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort. Rapunzel
ward das schönste Kind unter der Sonne. Als sie sechzehn Jahre alt war, hatte
die natürliche Entwicklung ihren Lauf genommen und ihr Körper hatte sich
verändert. Deshalb befürchtete die Zauberin, dass einmal ein Mann kommen und an
Rapunzel Interesse finden könnte. Sie wollte sie aber nie mehr missen. So
schloss die Zauberin sie in einen Turm ein, der in einem Walde lag und weder
Treppe noch Türe hatte; nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die
Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich unten hin und rief:
„Rapunzel, Rapunzel,
lass mir dein Haar
herunter!“
Rapunzel hatte lange, prächtige Haare, fein wie gesponnenes
Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zöpfe los,
wickelte sie oben um einen Fensterhaken und dann fielen die Haare zwanzig Ellen
tief herunter, und die Zauberin stieg daran hinauf.
Oben übergab sie Rapunzel Nahrung für die nächste Zeit.
Manchmal brachte ihr die Zauberin auch ein kleines Geschenk mit. Dann musste
Rapunzel ihr Kleid ablegen und sich vor der Zauberin nackt im Tanz drehen, dass
ihre Haare flogen und nicht mehr ihren Körper einhüllten. Für sich hatte die
Zauberin eine Flasche süßen Weins mitgebracht. Nachdem sie diese halb geleert
hatte, zog sie Rapunzel auf ihren Schoß, küsste sie und liebkoste ihren Körper.
Rapunzel war es unheimlich. Sie hatte Angst davor und freute sich zugleich
darauf. Auch die Zauberin kam auf ihre Kosten. Sie presste und rieb sich an Rapunzel
jungem Körper, bis sie erschöpft war und von ihr abließ.
Wenn Rapunzel das Warten auf die Zauberin zu lang wurde,
stellte sie sich nackt vor ihren Spiegel und streichelte sich selbst, wie es
sonst die Zauberin tat. Auch das gefiel ihr sehr. Eine bisher unbekannte warme
Welle strömte durch ihren Körper und verebbte im Schoß.
Nach ein paar Jahren trug es sich zu, dass der Sohn des
Königs durch den Wald ritt und an dem Turm vorbeikam. Da hörte er einen Gesang,
der war so lieblich, dass er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in
ihrer Einsamkeit, sich die Zeit damit vertrieb, ihre süße Stimme erschallen zu
lassen. Der Königssohn wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte nach einer Türe
des Turms; aber es war keine zu finden. Er ritt heim. Doch der Gesang hatte ihm
so sehr das Herz gerührt, dass er jeden Tag hinaus in den Wald ging und
zuhörte. Als er einmal so hinter einem Baum stand, sah er, dass eine Zauberin
herankam und hörte, wie sie hinaufrief:
„Rapunzel, Rapunzel,
lass mir dein Haar
herunter!“
Da ließ Rapunzel die Haarflechten herab und die Zauberin
stieg zu ihr hinauf. „Ist das die Leiter, auf welcher man hinaufkommt, so will
ich auch einmal mein Glück versuchen.“ Und den folgenden Tag, als es anfing,
dunkel zu werden, ging er zu dem Turm und rief:
„Rapunzel, Rapunzel,
lass mir dein Haar
herunter!“
Alsbald fielen die Haare herab, und der Königssohn stieg
hinauf.
Anfangs erschrak Rapunzel gewaltig, als ein Mann zu ihr
hereinkam, wie ihre Augen noch nie einen erblickt hatten. Doch der Königssohn
fing an, ganz freundlich mir ihr zu reden und erzählte ihr, dass von ihrem
Gesang sein Herz so sehr sei bewegt worden, dass es ihm keine Ruhe gelassen und
er sie selbst habe sehen müssen. Da verlor Rapunzel ihre Angst. Auch hielt er
sich in der Nähe des Fensters und versuchte nicht, sich ihr zu nähern. Da ihr
das Gespräch gefallen hatte, lud sie ihn ein, bald wiederzukommen. Dass ließ
sich der Königssohn nicht zweimal sagen und schon am nächsten Abend besuchte er
Rapunzel wieder. Diesmal setzte er sich neben sie und berührte während des
Gesprächs, in dem er ununterbrochen ihren Gesang lobte, immer wieder einmal,
wie zufällig, ihren Körper. Rapunzel rutschte nervös hin und her, denn sie
erkannte die gleichen Empfindungen wieder, die sie bei der Zauberin und beim
Selbststreicheln hatte. Genießerisch schloss sie die Augen. Als sie aus ihrer
Versunkenheit erwachte, hielt der Königssohn sie schon im Arm und küsste sie
stürmisch. Rapunzel öffnete den Mund und empfing seine Zunge. Der Königssohn
war zwar etwas verblüfft, hielt es aber für eine Naturbegabung. Für Rapunzel
war es der Auftakt für den gewohnten Ablauf. Sie streifte sich das Kleid über
den Kopf und fing an nackt zu tanzen. Der Anblick verschlug dem Königssohn die
Sprache und verwirrte ihm die Sinne, so dass er keinen klaren Gedanken fassen
konnte. Als sich Rapunzel nach dem Tanz auf seinen Schoß setzte, konnte er
seine Hände nicht mehr im Zaum halten. Immer wieder streichelte er ihre Brüste,
liebkoste ihren Schoß, kehrte wieder zu den Brüsten zurück. Auch Rapunzel
erlebte viel intensivere Gefühle als mit der Zauberin. So hatte sie auch nichts
dagegen, dass der Königssohn sie schließlich sanft auf den Rücken legte, ihre
Beine spreizte, seine Lanze hervorholte und diese in Rapunzel einführte. Das
waren nicht nur einfach angenehme Empfindungen. Im Rhythmus des Wiegens der
beiden Körper toste ein Vulkan durch Rapunzel, dass sie glaubte, sie müsse
vergehen. Schreiend und keuchend klammerte sie sich an den Königssohn, bis
beide erschöpft zurücksanken.
Als der Königssohn sie fragte, ob sie ihn zum Manne nehmen
wollte, und sie überlegte, dass er jung und schön war, so sagte sie sich: „Mit
ihm gefällt es mir besser, als mit der Zauberin“, und antwortete : „Ja“, und
legte ihre Hand in seine Hand. Sie sprach: „Ich will gerne mit dir gehen und
jeden Tag von deiner Lanze durchbohrt werden, aber ich weiß nicht, wie ich
herabkommen kann. Wenn du kommst, so bring jedes Mal einen Strang Seide mit,
daraus will ich eine Leiter flechten, und wenn sie fertig ist, so steige ich
hinunter und du nimmst mich mit auf dein Pferd.“ Sie verabredeten, dass er bis
dahin alle Abende zu ihr kommen sollte, denn bei Tag kam die Zauberin. So
wurden Rapunzel Gefühle zweimal am Tag beansprucht und nachdem der Königssohn
gegangen war, fiel sie erschöpft in ihr Bett. Auch tagsüber war sie häufig müde
und so passierte das Unglück.
Die Zauberin merkte nichts von den Besuchen des
Königssohnes, bis einmal Rapunzel in ihrer Schläfrigkeit sich verplapperte und
sagte: „Ach, ihr macht mich mit Euerm Gefummelt ganz nervös. Der Königssohn
kommt schnell zur Sache und wenn ich seine Lanze in mir spüre, bin ich bald
erlöst von der Unruhe meines Körpers und kann zufrieden einschlafen.“
„Ach, du gottloses Kind!“ rief die Zauberin, „was muss ich
von dir hören; ich dachte, ich hätte dich von aller Welt geschieden, und du
hast mich doch betrogen!“ In ihrem Zorn packte sie die schönen Haare der
Rapunzel, schlug sie ein paarmal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der
rechten, und ritsch-ratsch, waren sie abgeschnitten, und die schönen Flechten
lagen auf der Erde. Und sie brachte die arme Rapunzel in eine Wüstenei, wo sie
in großem Jammer und Elend leben musste. Nicht einmal einen Spiegel hatte sie,
um sich vor ihm selbst zu streicheln.
Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoßen hatte, machte
abends die Zauberin die abgeschnittenen Flechten oben am Fensterhaken fest, und
als der Königssohn kam und rief:
„Rapunzel, Rapunzel,
lass mir dein Haar
herunter!“
so ließ sie die Haare hinab. Der Königssohn stieg hinauf,
aber er fand oben nicht seine liebste Rapunzel, sondern die Zauberin, die ihn
mit bösen und giftigen Blicken ansah. „Aha“, rief sie höhnisch, „du willst die
Frau Liebste holen, aber der schöne Vogel sitzt nicht mehr im Nest und singt
nicht mehr; die Katze hat ihn geholt und wird dir auch noch die Augen
auskratzen, es sei denn, du bist vernünftig. Für dich ist Rapunzel verloren, du
wirst sie nie wieder erblicken!“ Aber du kannst dich mit mir trösten und durch
Zauberkraft stand sie plötzlich nackt vor ihm. Sie zog ihn zum Bett, legte sich
darauf und hob ihm ihren breiten Schoß einladend entgegen. Doch beim Anblick
des gespreizten Fleisches und des dichten, schwarzen Gestrüpps, dass er in
Gedanken mit Rapunzel zartem Körper und ihrem lockigen, blonden Fellchen
verglich, geriet der Königssohn außer sich vor Schmerz, und in der Verzweiflung
sprang er den Turm hinab: Das Leben brachte er davon, aber die Dornen, in die
er fiel, zerstachen ihm die Augen. Da irrte er blind im Walde umher, aß nichts
als Wurzeln und Beeren und tat nichts als jammern und weinen über den Verlust
seiner Rapunzel. So wanderte er einige Jahre im Elend umher und geriet endlich
in die Wüstenei, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, einem
Knaben und einem Mädchen, kümmerlich lebte. Er vernahm eine Stimme und sie
deuchte ihm so bekannt. Da ging er darauf zu, und wie er herankam, erkannte ihn
Rapunzel, fiel ihm um den Hals und weinte. Zwei von den Tränen aber benetzen
seine Augen, da wurden sie wieder klar, und er konnte damit sehen wie sonst.
Als der Königssohn Rapunzel nackte Haut durch ihre zerrissene Kleidung
schimmern sah, regte sich auch wieder die Lust in ihm. Sie schickten die Kinder
Beeren sammeln und erfreuten sich aneinander.
Dann führte er Rapunzel und die Kinder in sein Reich und
sie lebten dort noch lange glücklich und vergnügt und da Rapunzel immer wieder
Lust auf die Lanze ihres Gatten hatte, brachten sie es auf zwölf Kinder. Die
Zauberin aber zog sich durch ihren liederlichen Lebenswandel eine böse
Krankheit zu und starb bald darauf. Und so endet das Märchen wie alle Märchen
enden: Die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft.
ã by Eberhard
Kamprad, März 2003, überarb. Febr. 2005