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Meine Schwester

Kurzgeschichte

Eberhard Kamprad

 

Ich sollte Holly beim ersten Badeausflug mit ihrem neuen Freund begleiten. Davon war ich nicht begeistert. Ich mochte den Kerl nicht, der, kurz nachdem Holly ihn kennengelernt hatte, mit mir ein Gespräch von Mann zu Mann führen wollte. Er erkundigte sich, ob Holly nackt scharf aussehe. Bei unserem engen Zusammenleben hätte ich sie doch bestimmt schon mal so gesehen. Natürlich meine er nicht die Zeit, als es außer dem Kleinmädchenschlitz noch nichts zu sehen gab. „Ha, ha, ha!“ Während seine dreckige Lache ertönte, ließ ich den Blödmann einfach stehen. Natürlich wusste ich, wie Holly nackt aussah, früher und auch jetzt. Wenn am Morgen die Zeit drängte, gingen wir oft gleichzeitig ins Bad. Holly nahm das Waschbecken; ich bevorzugte die Dusche. Ging schneller, als sich Stück für Stück einzuseifen, wie es Holly tat. Beim Rückenwaschen halfen wir uns gegenseitig. Holly gab mir zum Abschluss einen Klaps auf das Hinterteil. Ich hatte das früher bei ihr ebenso getan, aber seit ihr Körper runder und voller war, hielt mich irgendetwas davon ab.

Seit dem Tod unserer Oma lebten wir sehr oft allein in der Wohnung. Unsere Eltern waren als Journalisten mehr unterwegs als zu Hause. Als die Frage unserer Beaufsichtigung diskutiert wurde, erklärte Holly, damals 14, dass wir sehr gut allein zurechtkämen. Sie wollte keine fremde Person in der Wohnung. Die Eltern stimmten schließlich zu, da meine Schwester für ihr Alter schon sehr verständig und zuverlässig war.

Jetzt war sie 19 und eine richtige Frau. Wir hatten bewiesen, dass wir es schafften, allein das Leben zu meistern. Mir war es damals mit 9 Jahren nicht leicht gefallen, alle Aufgaben im Haushalt zu erledigen, die meine Schwester mir übertrug. Ich hätte lieber gespielt.

Natürlich waren Holly und ich die Ersten am Treffpunkt. Ich warf einen Blick auf meine Schwester. Heute hatte sie schwarze Haare. Dafür war aber auch das halbe Badezimmer versaut und ich durfte es sauber machen. Passend zur Haarfarbe hatte sie einen neuen schwarzen Slip mit Spitze angezogen. Aber das wusste natürlich nur ich.

„Holly?“

„Ja, Brüderchen?“

„Du siehst schön aus.“

„Danke! Ach, da kommt endlich Maximilian!“

„Hallo Süße“, tönte dieser und schmatzte einen Kuss auf Hollys Wange, obwohl sie ihm diese nicht hingehalten hatte. Der Kerl ging mir schon wieder gewaltig auf die Nerven.

Eine Bö wehte Hollys Rock hoch. Schnell schlug sie ihn wieder herunter. In meinem Bauch breitete sich auf einmal ein unbekanntes Gefühl aus. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass sie ein ausgesprochen hübsches Hinterteil hatte. Der Stoff des Höschens umspannte straff, aber nicht quetschend, die Backen, die schwarze Spitze folgte den natürlichen Körperlinien, das Ganze wirkte wie eine gut verpackte Kostbarkeit. Es war etwas Anderes als morgens im Bad. Maximilian hatte die Hauptsache verpasst, weil er sich gerade nach einem vorbeigehenden Mädchen umgedreht hatte. Nun hoffte er auf eine Wiederholung, starrte, wie ein gebanntes Kaninchen auf Hollys Rocksaum und wartete auf den nächsten Windstoß.

Im Freibad war es nicht einfach, einen Platz zu finden, der uns allen zusagte: Max wollte möglichst weit weg von anderen Badegästen, ich am liebsten ins größte Gewimmel und Holly legte besonderen Wert auf weiches Gras. Endlich rollten wir die Decke aus. Max und ich trugen unsere Badehosen unter den Jeans. Holly war eine Umkleideexpertin. Ich kannte die Vorführung und wartete auf schon auf das dumme Gesicht von Max. Der dachte tatsächlich, er würde jetzt was zu sehen bekommen. Blitzschnell griff Holly unter ihren Rock und warf das schwarze Knäuel des Slips in Richtung Tasche. Dann stieg sie in den Badeanzug und schob ihn zusammen mit dem ganzen Kleid nach oben, zog es sich über den Kopf, schlüpfte in die Träger des Badeanzugs -  und war fertig. Ich konnte nicht an mich halten und musste losprusten, als ich das dumme Gesicht von Max sah. Er warf mir einen wütenden Blick zu und wandte sich wieder Holly zu. Jetzt zeigte sein Gesicht echte Bewunderung. Auch ich musste feststellen, dass mir meine Schwester in dem knapp sitzenden Badeanzug außerordentlich gut gefiel. Da war wieder dieses eigenartige neue Gefühl im Bauch.

Holly stand vor uns und streckte sich der Sonne entgegen. Ich blickte zu meiner Schwester auf und ein Blitz durchzuckte meinen Körper. Über mir wölbte sich der sanfte Hügel ihres Schamberges, der Stoff des Badeanzugs war in die Spalte geruscht und machte ihre weiblichen Formen deutlicher sichtbar, als wenn sie nackt gewesen wäre. Ich schluckte krampfhaft und rollte mich schnell auf den Bauch, um die Reaktionen meines Körpers zu verbergen.

Nach einer gemeinsamen Ruhepause fing Max an, meine Schwester zu necken und dies als Vorwand zu Balgereien zu nehmen. Holly ging lachend darauf ein. Aber mir fiel auf, dass er mehrmals scheinbar zufällig ihre Brust streifte. Ich wurde ärgerlich, dass Holly sich das gefallen ließ. Als Zufall ließ es sich aber nicht mehr kaschieren, als er zwischen ihre Beine griff, mit einem Finger durch die vom Badeanzug angedeutete Furche fuhr und dann ihren ganzen Schoß mit einer Hand umfasste. Holly stieß ihn von sich, dass er ein paar Meter weit weg rollte.

„Bist du verrückt? So weit sind wir noch lange nicht und werden auch nie so weit kommen!“

Wütend begann sie unsere Sachen zusammenzupacken, ich half ihr dabei. Der Kerl kam mit bittender Gebärde auf uns zu: „Holly. Die Leute!“ „Hau ab“, kreischte meine Schwester, dessen ungeachtet, dass unsere Nachbarn aufmerksam wurden, „ich will dich nie wieder sehen!“ Da rastete er aus: „Verdammte Nutte, willst wohl lieber mit deinem Bruder bumsen, ich habe genau gesehen, wie gierig er dich angestarrt hat!“ Holly erwiderte nichts, fasste mit der einen Hand unsere Badetasche, mit der anderen meine Linke und wir zogen davon. Als ich mich umblickte, sah ich, wie Maximilian das liegen gebliebene schwarze Höschen aufhob und an sein Gesicht führte.

Stumm gingen wir nach Hause. Als wir uns vor dem Schlafengehen - schon in Nachtsachen - zum gewohnten Tagesplausch im Wohnzimmer zusammenfanden, fragte Holly: „Was meinte denn dieser Blödmann vorhin?“

„Ach nichts“, ich stockte, dann gab ich mir einen Ruck. „Als du dich vorhin strecktest und der dünne Stoff die Formen, deiner ..., von deinem ..., na ja, eben deine Körperformen zwischen den Beinen genau zeigte, da, da merkte ich, dass du nicht nur meine Schwester, sondern auch ein Mädchen bist, dass mir gefällt und ..., und ..."

Holly half mir weiter: „Du bekamst einen Steifen?“ Stumm nickte ich, dann nach einer Weile: „Ich musste mich schnell auf den Bauch rollen.“

„Hör zu! So darfst du nicht an mich denken! Ich bin deine Schwester und nicht deine Freundin. Da müssen wir bei unserem Zusammenleben einiges ändern. Ich nickte. Dann haschte ich nach Hollys Hand und sie entzog sie mir nicht.

„Holly?“

„Ja?“

„Als der Wind vorhin deinen Rock hochwehte, habe ich etwas festgestellt.“

„Was denn? Ist mein Slip kaputt? Ich habe doch extra einen neuen zum Minirock angezogen.“

„Du hast einen süßen Arsch.“

Jetzt wurde sie ernstlich böse und entzog mir ihre Hand.

„Lass deine merkwürdigen Komplimente. Das ist kränkend für mich. Denk lieber an die Hinterteile deiner Klassenkameradinnen!“

„Das sind kleine Mädchen.“

„Sie sind so alt wie du, dann bist du ein kleiner Junge, der sich noch nicht für so etwas interessieren sollte.“

„Ich bin kein kleiner Junge. Schau meine Muskeln!“

Holly lachte, schubste mich aus dem Sessel und warf sich auf mich. Im Nu waren unsere Körper ineinander verkeilt und wir balgten und auf dem Teppich. Doch diesmal nahm der geschwisterliche Ringkampf eine anderes Ende.

Als der Sturm vorüber war und wir nackt und erschöpft nebeneinander lagen, fragte ich Holly: „Was soll nun werden?“

 

© by Eberhard Kamprad, Leipzig, Dez. 2002, überarb. Aug. 2005

 

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